Ich sitze im Bus und schaue mich um.
Alle, wirklich alle Mitfahrer schauen auf ihr Handy. Als ob da das wahre Leben stattfindet.
Etwas später in der S-Bahn fällt mein Blick auf eine Mutter, daneben ihr Sohn. Sie fallen mir auf, weil sie beide eben nicht mit dem Handy beschäftigt sind.
Eine alte Dame steigt ein und blickt sich suchend um. Der Junge zögert nicht, und macht für sie seinen Platz frei.
Das geht aber auch nur, weil er vorher wahrgenommen hat. Hätte er auf sein Handy gestarrt, wäre ihm die suchende Frau nicht einmal aufgefallen.
Die alte Dame freut sich über Geste und den gut erzogenen Jungen und sagt es der Mutter. Die freut sich auch.
Schon mal ein Lakritz-Eis probiert?
Ich bin ja ein Fan von Lakrids by Bülow*. Schokolade mit Lakritz, klingt erst mal schräg. Ist aber köstlich. Nun gibt es dort auch Softeis mit Lakritzgeschmack. Habe ich am Samstag in der Filiale Viktualienmarkt probiert: ebenfalls köstlich. Probiert es aus!
Bist du schon einmal getrampt?
Diese Woche inspiriert mich der Beitrag von Alex Rühle in der Süddeutschen Zeitung, der eine Woche lang durch Deutschland trampte und einfach schaute, wohin es ihn führt und wen er so kennenlernt.
Schon vor vielen Jahren hatte er einen Selbstversuch durchgeführt, ein halbes Jahr komplett ohne Handy und Internet auszukommen. Darüber hat Alex Rühle ein Buch geschrieben, „0hne Netz“.
Auch ich bin als Jugendliche getrampt. Anders konnten wir uns vom Dorf aus kaum fortbewegen, wenn das Papa-Taxi mal nicht zur Verfügung stand. Mit der Schwester oder Freundin im Schlepptau trampte ich, um in die Disco zu kommen. Gottseidank machten wir nur positive Erfahrungen.
Heute trampen wir nicht mehr, wir bestellen einen Uber und wissen vorab ganz genau, wann der Fahrer da sein wird, wie er heißt, seine Bewertungen und was die Fahrt kostet.
Heute fragen wir nicht mehr nach dem Weg, wir schauen in eine App.
Auch ich bin gerne auf LinkedIn, Instagram oder WhatsApp unterwegs, Diszipliniere mich aber, diese Apps nur im WLAN zu öffnen, sonst sind meine 5 GB Datenvolumen schnell weg.
Und so frage ich echte Menschen nach dem Weg, nach ihren Empfehlungen, nach ihren Erfahrungen.
Wunderbare Mikrobegegnungen und Gespräche sind das Ergebnis. Und ein gutes Gefühl auf beiden Seiten.
Ich bedanke mich bei der KI
Meistens bedanke ich mich bei ChatGPT, wenn sie für mich recherchiert hat. Das sorgt für Heiterkeit in meinem Netzwerk. Es finden viele drollig. Doch ich bleibe dabei, denn ein kleines „Danke“ macht nicht viel Mühe, schützt mich aber vor KI-Verrohung.
Neulich habe ich mich bei meiner Krankenkasse bedankt, weil sie einen fraglichen Posten bei der Zahnbehandlung kulant durchgewunken haben. Auch hier alles über die App ohne Ansprechpartner.
Was soll ich sagen, die letzten drei Belegeinreichungen wurden innerhalb eines Tages (!) erledigt. Da war ich baff!
Wir vergessen gerne, dass hinter vielen Apps und Internet-Kundenportalen immer noch echte Menschen stecken, denen es guttut, gesehen zu werden.
Gute Begegnungen und freudvolle Überraschungen in dieser warmen Sommerwoche
wünscht von Herzen deine und Ihre
Monika Scheddin
PS letzte Woche gab es einen Beitrag zum Thema „Freundschaft“, den du hier nachlesen kannst
PPS den Untertitel verdanke ich der wunderbaren Angelika Slavik, die in der Süddeutschen Zeitung diesen vielbeachteten Artikel veröffentlichte (heute noch für Abonnenten lesbar)
Das Foto ist auf der Dachterasse des Mandarin Oriental in München entstanden.
* Werbung aus Überzeugung – ohne Auftrag.
