Letzte Woche sind zwei außergewöhnliche Frauen gestorben, die viel hinterlassen haben: Dolly Parton und Yayoi Kusama.
Dolly Parton, die Countrysängerin aus bitterarmen Verhältnissen, wurde 80 Jahre alt. Ich habe sie erst spät entdeckt – dafür umso lieber im Divenkalender zitiert. Sie hat sich ihren Erfolg selbst erarbeitet und mit mehr als 3.000 Songs ein gewaltiges musikalisches Erbe geschaffen. Ihren Stil verteidigte sie mit jener Selbstironie, die ihr so eigen war: „Es kostet viel Geld, so billig auszusehen.“
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Starallüren waren ihre Sache nie. Im Gegenteil: Dolly Parton engagierte sich ihr Leben lang leidenschaftlich sozial. Was für ein Rolemodel.
Und auch Yayoi Kusama, die japanische Künstlerin und Meisterin der Polkadots, ist mit 97 Jahren gestorben. Auch sie hinterlässt ein großartiges Erbe – allerdings aus Farben, Punkten, Spiegeln und Obsessionen.
Ich bewundere sie besonders dafür, dass sie ihre psychische Erkrankung nicht versteckte. Sie suchte sich Hilfe und schuf sich Strukturen, die ihr Halt gaben. Psychische Erkrankungen sucht sich niemand freiwillig aus. Scham hilft da nicht weiter. Kusama fand einen Teil ihrer Ruhe in der Kunst – und machte aus ihrer Verletzlichkeit eine unverwechselbare künstlerische Sprache.
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Frauen in der Kunst werden ja gerne einmal vergessen. Diese beiden hoffentlich nicht.
Mögen Dolly Parton und Yayoi Kusama in unseren Köpfen und Herzen bleiben.
Ich weiß: Über Tod und Sterben zu sprechen, fällt nicht leicht. Viele möchten sich mit dem Thema am liebsten gar nicht beschäftigen. Ich habe mich 2004/2005 zur ehrenamtlichen Krankenhausseelsorgerin ausbilden lassen. In Wochenendkursen stellten wir uns damals den großen, unbequemen Fragen: Was bedeutet Krankheit? Was bedeutet Sterben? Was bleibt von einem Menschen?
In Rollenspielen fanden wir Worte für Unaussprechliches.
Diese Ausbildung war und ist unglaublich wertvoll für mich. Denn wenn wir uns mit dem Ende beschäftigen, verändert das unseren Blick auf das Leben.
Als wer möchte ich in Erinnerung bleiben?
Als jemand, die viel gearbeitet hat? Oder als jemand, die zugehört und Freude am Leben hatte? Als jemand, die sich aufopferte? Oder als jemand, die sich immer wieder sagte: Hauptsache, die Hauptsache bleibt die Hauptsache?
Wie möchte ich mit den Zitronen des Lebens umgehen?
Mit welchen Menschen möchte ich mich umgeben?
Was möchte ich hinterlassen?
Mein Fazit ist deshalb: Gut leben kann, wer abschiedlich lebt. Wer eine Ahnung davon hat, dass wir eines Tages abtreten werden. Nicht düster und nicht ängstlich – sondern als Erinnerung daran, dass unsere Zeit begrenzt ist.
Es gilt, das Leben zu nutzen. Und das kann meiner Meinung nach nur, wer es auch ein wenig zu vergeuden weiß.
Denn vielleicht ist auch das ein gutes Leben: nicht jeden Augenblick effizient zu machen, sondern manche einfach verstreichen zu lassen. Zu lachen. Zu staunen. Zu trödeln. Menschen zuzuhören. Etwas Schönes zu tun, ohne dass es einen Zweck erfüllen muss.
In diesem Sinne: Genießt!
Eine schöne Woche wünscht von Herzen
Deine und Ihre
Monika Scheddin
Das Vorschaufoto ist im Januar in Basel entstanden, als wir uns die Ausstellung anschauten, obwohl wir eigentlich keine Zeit hatten. Wie gut!
