Letzte Woche wurde mein Fahrrad gestohlen. Zehn Jahre lang war es mein ständiger Begleiter, im Sommer und im Winter. Bei jedem Wetter. Top in Schuss. Mein Fahrrad war schon fast eine Art Familienmitglied. Und nun wollte es jemand anders gebrauchen. Sah keine andere Möglichkeit an Geld zu kommen, als sich nachts an fremdem Eigentum zu vergreifen. Ich vermute mal, im Dunklen sah mein analoges Normalo-Rad wohl aus wie ein e-Bike. Ist es aber nicht.
Gleich kommt mir eine Diebstahlgeschichte in den Sinn, die man vor vielen Jahren in der Süddeutschen Zeitung lesen konnte:
Ein Dieb klaute einer Frau in der Münchner S-Bahn eine Einkaufstasche von Prada. Er vermutete kostbaren Inhalt. Was er nicht ahnen konnte, ist diese Vorgeschichte:
Die Besitzerin der Luxuseinkaufstasche ging mit ihrem Mops Gassi, der just vor dem Prada-Laden einen Herzinfarkt bekam und verstarb. Was tun mit dem nun toten Hund? Die Prada-Mitarbeiterinnen waren sehr hilfsbereit und spendierten nicht nur eine große Tragetasche, sondern halfen dem Frauchen auch noch, den Mops würdevoll in Seidenpapier einzuwickeln.
In der S-Bahn nach Hause war die Hundebesitzerin nicht aufmerksam und zack war die Pradatüte mitsamt seinem – auf ungeahnte Art und Weise – kostbaren Inhalt entwendet.
Man kann sich den Gesichtsausdruck des Diebes beim Auspacken seiner Beute vorstellen und es ist meiner Meinung nach nicht falsch, ein diebisches Vergnügen daran zu haben.
Wie sehr man an Dingen hängt, weiß man manchmal erst, wenn man sie nicht mehr hat.
Ich wünsche euch wie immer eine schöne Woche.
Von Herzen Deine und Ihre
Monika Scheddin
