„Wie war denn Ihr Japan-Urlaub?“, fragte mich neulich ein Bekannter, den ich zufällig in der Stadt traf. Ich will gerade zu einer Antwort ansetzen, da fährt er schon fort. „Also ich persönlich mag nicht so lange fliegen. Das würde ich gar nicht aushalten. Ich bin ja eher für Urlaub in der Natur. Und für Bewegung“.

„Naja“, antworte ich, „bei so einer Rundreise bewegt man sich auch ganz schön …“ Weiter komme ich nicht.

„Ja also ich war gestern beim Bergwandern. Mein lieber Scholli, habe ich Muskelkater, aber das Wetter war ganz schön. Gute Sicht. Jetzt muss ich mich erst einmal ein paar Tage erholen. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste. So, jetzt muss ich beeilen, will noch zum Markt…“ Sprachs und weg war er.

Äh, wie war nochmal die Frage?

Ich liebe solche Situationen, die einen etwas verdattert hinterlassen, denn es sind wunderbare Szenen, die das Leben schreibt. Und ich mache mir sofort Notizen. Inspiration pur für Artikel oder die Bühne.

Gleichzeitig frage ich mich:

  • Was hätte ich mir gewünscht?
  • Wie gut höre ich selbst zu?
  • Was ist das Ziel einer Frage?
  • Bei wem und in welchen Situationen kann/ will ich selbst etwas verbessern?

Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass die Frage ernst gemeint war und Neugier und Interesse ausdrückt.

Nicht immer höre ich so gut zu, wie ich es eigentlich will. Manchmal ertappe ich mich, dass ich, nachdem ich eine Frage gestellt habe, geistig irgendwo anders hin abtauche. In diesen Fällen habe ich mir angewöhnt noch einmal nachzufragen: „Entschuldige, ich habe nicht anständig genug zugehört, sagst du es mir noch einmal?“ Die Reaktionen sind immer positiv.

 

Was ist das Ziel einer Frage?

Antworten zu erhalten – sollte man meinen. Aber wie man an dem Beispiel oben merken kann, geht es manchmal nur darum, selbst ins Gespräch zu kommen.

Bei Familie und Freunden will ich eine gute Zuhörerin sein und die Geduld aufbringen, die ich als Coach auch professionell habe. Keinen großen Anspruch an mich habe ich dagegen, wenn mir Fremde auf der Parkbank ein Gespräch aufdrängen wollen. Ach was, was schreibe ich, es sind ja keine Gespräche, sondern Monologe.

Wir können andere Menschen nicht verändern.

Aber Futter für Reflexion fällt alle Male ab.

Ich wünsche dir und euch eine wunderbare Woche!

 

Von Herzen Deine und Ihre

Monika Scheddin