Ich beginne meine Woche mit einer langen Laufrunde. Heute regnet es Bindfäden. Aber, wie heißt es so schön: Es gibt kein schlechtes Laufwetter, es gibt nur falsche Kleidung. Und so ziehe ich meine Regenjacke mit Kapuze auf und mache mich auf die Socken.

Leicht, locker … ganz in Gedanken … werde ich eine halbe Stunde später von einem hastigen Etwas aus der linken Seite kommend mit 300 m Anlauf und wahnsinnigem Gekläffe auf den Boden der bisweilen unangenehmen Tatsachen geholt.

Ein Hund mag mich heute Morgen irgendwie gar nicht. Kläfft, springt mich an, fletscht sein imposantes Gebiss. Noch bevor sein Frauchen reagieren kann, bin ich aber so etwas von wach.

„Aus!“ befehle ich entschlossen. Und der Hund dreht  s o f o r t  ab. Um dann jedoch  s o f o r t  den zweiten Versuch zu wagen. Never change a winning tool, denke ich und ein zweites „Aus!“ mit festem Blickkontakt und entschlossenem Gesichtsausdruck folgt. Der Hund dreht ab. Geht doch – denke ich.

Der Riesenbello erhört sein verzweifelt rufendes Frauchen endlich und täuscht ein „Fuß!“ an, bevor er ein drittes Mal angreift. So langsam langweilt es mich. Ein drittes „Aus!“ mit noch entschiedenerer Körpersprache folgt.

Ca. 20 Spaziergänger und Gassigeher verfolgen das Spektakel interessiert. Ein Vater mit Kinderwagen ruft: „Nimm den Hund endlich an die Leine!“ Und in meine Richtung: „Nicht, dass er noch Kinder anfällt!“

Na danke! Ich schweige mal lieber. Mir persönlich reichte der Angriff auf mich schon völlig. Ich beschließe in Ruhe weiter zu laufen. Unaufgeregt. Leicht, locker. Und bin etwas stolz auf mich, wie ich die Situation mutig gemeistert habe.

Ein paar Minuten später begegne ich dem Hundchen nebst Frauen dann wieder. Frontal. Gottseidank angeleint (der Hund). „Es tut mir leid!“, sagt die Hundehalterin. Und noch bevor ich antworten kann „ist schon o.k.!“. Fügt sie hinzu. „Das macht er sonst nie. Er ist ja noch ganz jung. Wahrscheinlich hatte er Angst, weil Sie so vermummt waren!“

Ich sage dazu: nichts. Will meine gute Laune behalten. Und werde mir beim nächsten Lauf bei strömendem Regen gut überlegen, ob ich Kapuze oder Mütze aufsetze.

Nicht, dass mich irgendein Hund vor lauter Angst anfallen muss.