Diese Frage stellte mir neulich im Business-Etikette-Seminar ein Maschinenbau-Student. Gute Frage, finde ich. Sehr gut sogar. Rechtlich ist dieses Thema hinreichend geklärt: auf deutschen Autobahnen darf (wenn nichts anderes geregelt ist) so schnell gefahren werden, wie man will. Theoretisch müsste dabei noch Rücksicht genommen werden auf die Witterungsverhältnisse und auf die eigene Fahrerkompetenz z.B. in Bezug auf das persönliche Reaktionsvermögen. Ich behaupte hier mal kühn, dass sich hier 80 Prozent aller Autofahrer völlig überschätzen. Ist aber ein anderes Thema.
Wie schnell sollte ich laut Etikette also Auto fahren?
Das Ziel der Etikette ist eine gute Beziehung zu meinem Gegenüber herzustellen. Dafür zu sorgen, dass es ihm / ihr gut geht und dass er sich wohl sprich sicher fühlt. Für eine Autofahrt bedeutet dies: man fährt nicht zu schnell und hält einen respektabelen Sicherheitsabstand zum vorherfahrenden Fahrzeug ein. Also bei 120 bis 140 Stundenkilometern auf der Autobahn liegen wir vermutlich ganz gut. Verstummt mein Beifahrer völlig und hält sich mühsam am Haltegriff fest, bilden sich bereits kleine Schweißperlen auf seiner Stirn, bremst er mit und atmet schwer ein und aus, dann bin ich definitiv für das Gefühl des Beifahrers zu schnell.
Und darum geht es: dem Mitfahrer muss es gefallen. Das Ziel hier ist es nicht, dem Fahrgast zu beweisen, was für ein mutiger und schneller Autofahrer man ist. Es sei denn, Sie sind dabei, sich für die Stelle des Sicherheitsfahrtrainers beim ADAC zu bewerben.
Wer fürsorglich, rücksichtsvoll und vorausschauend in moderatem Tempo Auto fährt, zeigt Köpfchen und Wertschätzung zugleich.
Natürlich können Sie gerne mal so richtig Gas geben – wenn weder Kleinkind noch Geschäftspartner an Bord sind.
Viel Vergnügen dabei wünscht Monika Scheddin
P.S. Manchmal habe ich den Eindruck, dass bei einem Tempolimit verstanden wird, ich darf auf keinen Fall langsamer als das Maximum fahren – egal, ob es der Verkehr hergibt. Alles andere könnte ja völlig uncool wirken.
