Nachtrag zu meinem Beitrag aus der letzten Woche: Was du nicht änderst, hast du gewählt. Zumindest für den Moment.
Danke, lieber Alexander, für deinen Kommentar, den ich liebend gern aufgreife.
Mein eigenes Schicksal jederzeit in die eigene Hand nehmen zu können bzw. zu müssen, das kann herausfordern – aber auch überfordern.
Ja, so ist es mit (zu) vielen Alternativen: sie überfordern. Jeden. Es fängt an mit den unzähligen Marmeladensorten in Lebensmittelläden und hört bei der Speisekarte im Chinarestaurant nicht auf. Allein schon schönes Wetter an einem Sonntag im Sommer kann die Hölle sein: was machen wir? Radfahren, wandern, schwimmen, picknicken, einen Ausflug machen ….? Man kann eben nicht alles auf einmal machen und haben.
Bin ich selbst schuld, wenn ich unzufrieden bin?
Jein!

Es gibt ein schönes Modell von Claes Janssen, das den Lebensrhythmus gut beschreibt. Phasen, die wir alle nacheinander durchlaufen. Ich steige hier mal mit der Phase der Zufriedenheit ein:
- Zufriedenheit: In dieser Phase geht es uns gut. Das Leben fühlt sich leicht an. Alles scheint mühelos zu gelingen. Ein wunderbarer Zustand, den man ewig festhalten und genießen möchte. Doch früher oder später kommt die folgende Phase
- Leugnung: Weil alles so schön ist, will man die kleinen Zeichen der Veränderung absolut nicht wahrhaben. Was irritiert, wird ignoriert. Denn es soll so bleiben, wie es gerade ist. Tja, doch leider ist der Gang der Zeit nicht aufzuhalten. Es folgt
- Verwirrung: Nichts scheint mehr so zu sein, wie es war. Vermeintliche Sicherheit hat sich in Unsicherheit umgekehrt. Chaos – und zwar meist auf mehreren Ebenen. Es gibt kein klares Ziel, kein Weg. Angst bringt Menschen in dem Stadium dazu, in Schockstarre zu verharren oder ungeahnte Kräfte zu entwickeln und neue Ressourcen zu definieren. Wer um Unterstützung bittet, bekommt sie meist. Die Belohnung für unsichere Zeiten:
- Erneuerung: etwas Neues entsteht. Oft sogar etwas, was besser und passender ist. Gefühlt grenzenlose Energie und eine super Ausstrahlung sind in dieser Phase zu verzeichnen.
Tja, und dann geht der Spaß von vorne los.
Also, Phasen der Unzufriedenheit sind von Natur aus gegeben und normal. Aber es gibt auch Menschen, die baden in ihrer eigenen Unzufriedenheit. Sie wollen unzufrieden sein, weil sie sich als Opfer sehen. Sie geben anderen Menschen und den Umständen die Schuld, dass sie da sind, wo sie sind.
Wer keine Verantwortung übernimmt wird das bleiben, was er oder sie ist: unzufrieden.
Ein schlechtes Gewissen, weil ich etwas aussitze, statt es zu ändern, weil ich zu bequem bin oder auch einfach nicht mutig genug – wie gehe ich damit um?
Wenn ich gestresst bin, gibt mir mein Körper eindeutige Signale. Er fängt an mit leisen Mahnungen und wird immer deutlicher, bis ich zuhöre. Heute höre ich relativ schnell auf diese Zeichen, aus Erfahrung. Aussitzen kann bedeuten: ich habe eh gerade genug am Laufen. Es ist nicht der richtige Moment oder es ist nicht das Richtige für mich. Die Menschen, die sich im Coaching als „bequem“ bezeichnen, sind eigentlich eher effektiv. Nehmen sich Zeit für das Wichtigste, zum Nachdenken, Vorbereiten, Sortieren und manchmal auch zum Aussortieren.
Insbesondere kreative Menschen müssen sich damit abfinden, dass sie mehr Ideen haben als Lebenszeit.
Immer wieder mal habe ich faule Tage, an denen ich deutlich unter meinen Möglichkeiten lebe. Wo ich selbst schönes Wetter nicht nutze. Ganz oder gar nicht war die Devise.
Es kann eine gute Idee sein, sich mit dem schlechten Gewissen anzufreunden, und ihm etwas anzubieten, was die Lage etwas besser macht.
Man schafft es nicht, andauernd alles zu ändern, was nicht auf das persönliche Glück einzahlt!
So ist es. Coaches bringen ihren Kunden bei, dass Worte wie „andauernd“, „immer“ und „alles“ jeden überfordern. Wer soll das leisten? Das ist unmenschlich. Hier liegt der Fehler im Kopf (also im Anspruch). Ich kann nicht alles ändern – und das ist auch nicht nötig. Es sei denn, du bist selbstkonsumierender Drogendealer. Bei den meisten Menschen läuft es im Großen und Ganzen gut. Dann ploppen Situationen auf, wo wir an unsere Grenzen kommen, die wir aushalten müssen, denn nicht jede Grenze lässt sich erweitern.
Zwei Veranstaltungstipps
Am 14. Februar bietet die IHK München Oberbayern für ihre Mitglieder einen Selbständigen-Tag an. Ich halte dort einen Vortrag zum Thema „Erfolgsstrategie Networking“. Ist leider schon ausgebucht – das ging aber schnell. Sorry.
Im Kunstfoyer in der Maximilianstraße 53 gibt es eine großartige Fotoausstellung als Hommage an Inge Morath. Ihr bekommt nicht nur Einblicke in den New Yorker Beauty Salon von Helena Rubinstein im Jahr 1958, manchmal muss auch ein Lama unkonventionell von A nach B verbracht werden. Die Ausstellung ist kostenlos, aber ihr müsst euch Tickets buchen.

Ich wünsche euch wie immer eine schöne Woche!
Herzliche Grüße
Deine und Ihre
Monika Scheddin
