September 2020 – Während der Corona Pandemie. Maskenpflicht in der Bahn.
Ein Mann weigert sich vehement in der Regionalbahn im Allgäu eine Maske zu tragen. Der Schaffner hat seine Anweisungen und will ihn am nächsten Bahnhof hinausbefördern. Der Mann rennt zum Bahnhofsklo und verbarrikadiert sich dort. Der Schaffner ruft die Polizei. Bis diese anrückt und der Maskenfeind aus dem Bahn-Klo entfernt wurde, vergehen in etwa 3 Stunden. Das führt dazu, dass Tausende Bahnkunden erhebliche Verspätungen in Kauf nehmen müssen und ihre Anschlusszüge verpassen. Und weil es später Nachmittag ist, bleibt der eine oder die andere festsitzen und muss übernachten, weil der letzte Zug des Tages weg ist. So wie es meiner Wanderkollegin Monika aus Dortmund passierte.
Mai 2023 – hier ein Erlebnis meiner Coaching-Kollegin Doris Grau:
Neulich in der Münchner S-Bahn. Fahrkartenkontrolle – mehrere Kontrolleure steigen zu, alle in gedeckter Kleidung, mit DB-Rucksäcken und einem Kontrolleursausweis im Anschlag.
Ich höre, wie ein Kontrolleur einen alten Mann freundlich auffordert, ihm seinen Fahrschein zu zeigen. Pause. Pause. Pause. Eine erneute Aufforderung – gefolgt von einem lautstarken Wutausbruch des alten Mannes. Wie käme er dazu, irgendwem irgendwas zu zeigen? Wenn man doch nicht mal mehr an der Uniform erkenne, ob wirklich echte Kontrolleure am Werk seien. Da könne doch jeder kommen, eine Schweinerei sei das. Er zeige überhaupt nix vor, und damit basta.
Der Kontrolleur bleibt ruhig und höflich:„Sehen Sie doch, ich habe einen ganz offiziellen Ausweis. Reicht Ihnen das? Sie können sich es ja überlegen. Ich kontrolliere erstmal die anderen Fahrgäste“.
Und das tat er dann auch, ganz entspannt, bis er erneut vor dem alten Mann steht.
Dieser poltert gleich wieder los: „Wissen Sie, erst gestern habe ich wieder so einen Anruf erhalten, bei dem mich jemand über den Tisch ziehen wollte. Und die Woche davor auch. Als alter Mensch versucht ständig jemand, dich zu betrügen, das ist so eine Schweinerei.“
Der Kontrolleur: „Hm, ja, das kann ich mir vorstellen, dass das schlimm für Sie ist“.
Der alte Mann daraufhin, viel ruhiger: „Aber Sie scheinen ja einer von den Guten zu sein. Ihnen zeige ich meinen Ausweis. Hier!“ Der Kontrolleur: „Danke. Passt alles. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag“.
Ich finde diese beiden unterschiedlichen Herangehensweisen faszinierend. Beide Kontrolleure wollten einfach nur einen guten Job machen – davon gehe ich aus. Beide haben das Beste getan, was ihnen möglich war. Und doch war dem Münchner Kollegen sehr viel mehr möglich. Er hat sich Zeit genommen, zugehört, Empathie bewiesen und war auf souveräne Art und Weise erfolgreich. Wirksprache – nenne ich diese Kompetenz.
Was will ich: korrekt oder klug? Recht behalten oder erfolgreich sein?
Manchmal ist ein Schritt zurück eigentlich ein Schritt vorwärts.
Als Coach versuche ich das Bedürfnis zu verstehen. Der alte Mann in der Münchner S-Bahn hatte ja ein Ticket. Er wollte nicht bockig sein, sondern verstanden werden in seiner Not. Menschen verstehen zu lernen ist eine top Investition für ein gutes Leben.

Ganz viele weitere Beispiele mit Nachklang findet ihr in meinem Buch „Connection. Überzeugen mit Charakter, Charme und Charisma“.
An dieser Stelle freue ich mich riesig über die Rezension von Buchkritiker Tobias Milbrandt auf Instagram.
Er schreibt u.a. „In meinen Augen sollte jeder Mensch, welcher die Kraft des Netzwerkens erkennt, dieses Buch gelesen haben. Selbst die Aufmachung des Buches ist meiner Meinung nach rundum gelungen und wundervoll gestaltet. Die Zitate sind sehr passend, prägnant und toll illustriert. Für mich ist Connection schon jetzt eines meiner Jahreshighlights!“
Note: 1
Falls du Connection noch nicht gelesen hast, einfach hier bestellen. Eignet sich übrigens auch sehr gut als Geschenk.
Und über deine Amazon-Rezension freuen sich Autor:innen immer!
Eine herrliche Woche wünscht von Herzen
Deine und Ihre
Monika Scheddin
