Eine lange Schlange an der Supermarktkasse. Eine ältere Dame ruft: „Könnten Sie bitte eine zweite Kasse öffnen?“ „Es sind immer die alten Hausfrauen, die es eilig haben!“, pöbelt ein älterer Mann und schaut sich beifallheischend um. Doch keiner in der Schlange mag ihm zustimmen. Die ältere Dame fühlt sich sichtlich unwohl, zahlt ihre Waren und würde sich – so scheint es – am liebsten gleich in Luft auflösen. Doch sie wird von einer jungen Frau getröstet: „Nicht ärgern, der Typ war mindestens 10 Jahre älter als Sie. Irgendwo hat er seine Höflichkeit verloren!“ Die ältere Dame bedankt sich und findet ihr Lächeln wieder.

Die junge Frau wird ihre Geste vielleicht schnell wieder vergessen, aber für die ältere Dame mag sie viel bedeutet haben.

Schwache Verbindungen können viel für unsere Lebenszufriedenheit tun
Hanne Collins forscht in Harvard zum Thema „schwache Verbindungen“. Während Familie, Freunde, Stammkunden, berufliche Verbündete oder Komplizen (wie Udo Lindenberg sie nennt) zu den „starken Verbindungen“ zählen, gehören solche Kontakte wie oben an der Supermarktkasse zu den „schwachen Verbindungen“. Collins fand heraus, dass schwache Verbindungen genauso wichtig für unsere Lebenszufriedenheit sein können, wie feste Beziehungen.

Jemanden zwei Euro für die Parkuhr schenken, die partout keine Kartenzahlung will, ein Lächeln, ein Dankeschön, eine Reaktion, ein Trost, ein Gespräch in der Bahn, jemanden Vortritt gewähren, ein Kompliment an eine wildfremde, gutgekleidete Person …

Meine Mutter freut sich immer wie Bolle, wenn die Nachbarn ungefragt bei ihr Schnee schippen oder den geleerten Mülleimer zurück in den Hof schieben.

Für uns mag all das nichts Besonderes gewesen sein, aber für die andere Person kann es an dem Tag die Welt bedeuten.

Vielleicht denkt die eine oder der andere an der Stelle: warum sollte ich Wildfremden gegenüber freundlich sein? Bringt mir doch nichts. Reicht doch, wenn ich mich in meinem direkten Businessumfeld gut benehme. Ich bin der Auffassung, wer wahrhaft eine wertschätzende und respektvolle Haltung hat, macht keinen Unterschied zwischen Privat und Geschäft. Nichts finde ich so anziehend an Menschen, wie ein freundliches Benehmen. Und zwar als grundsätzliche Haltung, nicht nur in der Öffentlichkeit.

Wahre Freundlichkeit tut mehr für dein Image als es eine Rolex jemals könnte.

Welche freundlichen Gesten hast du dir schon einfallen lassen?

Hier freue ich mich wirklich über jedes noch so kleine Beispiel!

Bitte hinterlasse mir doch einen Kommentar. Je mehr zusammenkommen, desto schöner.

Kino-Tipp

Letzte Woche habe ich mir den Film „15 Jahre“ mit Hannah Herzsprung angeschaut (und sie auch live erleben dürfen) und bin immer noch geflasht. Was für ein Film! Eine junge Frau, die 15 Jahre für eine Tat im Gefängnis saß, die sie nicht begangen hat. Die nach ihrer Entlassung voller Wut versucht weiterzuleben. Mit diesem Film hat Hannah Herzsprung völlig verdient den Bayerischen Filmpreis 2024 gewonnen.

Schaut ihn euch an!

Und lasst mich doch wissen, wie er euch gefallen hat.

Eine wundervolle Woche wünscht

Deine und Ihre
Monika Scheddin