Worte können wärmen. Worte können verletzen.
„Das Essen ist fertig, Döskopp“. „Bin gleich da, Dumpfbacke“. So lief die Konversation zwischen einem befreundeten Paar. Sie hatten noch weitere Anreden füreinander in petto.
Ich war geschockt.
Er handelte sich eigentlich um liebenswürdige und feinfühlige Menschen. Beide.
Tag später hatte ich die Gelegenheit, es bei meiner Freundin behutsam anzusprechen.
„Ich bin ganz erschrocken, welche Worte ihr füreinander benutzt“, beginne ich. Es folgt ein sehr schönes Gespräch. Die Freundin ist erstaunt. Das hatte ihnen noch niemand gesagt. Und selbst sei es ihnen nicht aufgefallen, die derben Anreden füreinander hätten sich mit der Zeit eingebürgert und so wurde aus „Schatz“ irgendwann einmal „Döskopp“.
Es sei nicht so gemeint. Ist doch nur Spaß – damit wird sich schnell herausgeredet.
Wenn du es nicht so meinst, dann sag es nicht so.
Spaß kann es nur sein, wenn es beide Seiten wirklich lustig finden. Wenn nur einer lacht, ist es kein Spaß.
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Hast du morgen Abend auch Zeit, Fetti? Diese Frage ist an eine 19-jährige gestellt. Bildhübsch und gertenschlank. Tochter eines Freundes.
„Warum sagen die Fetti zu dir?“ frage ich entsetzt.
„So habe mich meinen Eltern genannt, weil ich als Baby so pummelig war. Dann haben meine Geschwister es übernommen und irgendwie ist es mir geblieben. Ich habe mich dran gewöhnt. Fällt mir gar nicht mehr auf.“
„Und wie findest du es?“
Sie denkt ein wenig nach.
„Eigentlich schrecklich. Ich weiß, dass ich schlank bin, aber ich fühle mich dennoch mein Leben lang zu dick.“
Worte können wir Waffen wirken.
Sie können aber auch liebkosen und umarmen.
Wenn wir es nicht so meinen, sollten wir es lassen.
Und gleichzeitig nicht zulassen, wenn uns jemand Hasi, kleines Dummerle oder Döskopp nennt. Das ist – bei aller Liebe – nicht in Ordnung.
Nicht nur im Innenverhältnis, sondern auch im Umfeld. Sei es im Freundeskreis oder unter Kollegen. Worte schaffen auch ein Image.
Auch das Wort, das einst beiläufig und achtlos ausgesprochen wurde, kann einen Menschen lange treffen.
Wir können Worte nicht zurückholen. Aber wir können beginnen, achtsamer miteinander umzugehen.
Zuneigung sollte Menschen größer machen, nicht kleiner.
Eine schöne Herbstwoche
wünscht Deine und Ihre
Monika Scheddin
