„Wie sollen Berufseinsteiger netzwerken, wenn sie nichts zu bieten haben?“, fragt mich Tiffany Peach letzte Woche im Interview für die Wirtschaftswoche.

Sofort kommt mir in den Sinn, wie ich meinen Marketing-Job bei der japanischen Firma Brother in Emmerich ergatterte. Ich lernte den Prokuristen kennen und fragte ihn gefühlt „Löcher in den Bauch“. Mich interessierte, ob er selbst schon in Japan war, wie er die japanische Kultur einschätzte, wie sein eigener Lebenslauf war und so weiter. Kurze Zeit später machte mir der Prokurist ein Jobangebot, Assistentin Vertrieb und Marketing, obwohl ich keine Ahnung hatte – weder von Vertrieb noch von Marketing. Ich lehnte freundlich ab, weil ich andere Pläne hatte. Noch zwei Mal erneuerte er sein Angebot, beim dritten Mal hatten sich meine Pläne geändert und ich sagte zu – zu hervorragenden Konditionen.

Du bist interessant, wenn du interessiert bist – das war mir damals nicht klar. Heute weiß ich, dass dies – nicht nur bei Berufseinsteigern – von unschätzbarem Wert ist.

Außerdem möchten Menschen sich mit dir wohlfühlen, gerne mit dir zusammenarbeiten. Probleme haben sie selbst genug.

Wer etwas kann, dabei aber blasiert, arrogant und forsch auftritt, weil er das Gefühl hat, der Job stehe ihm zu, wird vielleicht gegen eine weniger kompetente, leicht naive Person verlieren, die mit Freude ans Werk geht und ein gewinnendes Wesen hat.

So wie der Maler Sigurd Rakel. Dieser bewarb sich als junger Mann bei einem Professor. Zwei kostbare Plätze in dessen Kunstklasse wurden vergeben. »Als ich sah, welche prall gefüllten Kunstmappen die anderen Bewerber ablieferten, wusste ich: Ich habe keine Chance – mit meinen dürftigen Arbeitsproben im A4-Format.«

Umso größer war die Freude, dass ausgerechnet er tatsächlich angenommen wurde. Rakel zog das Studium durch, wurde Assistent des Professors und später wurden sie sogar Freunde.

»Wieso hast du mich eigentlich damals genommen, es waren doch so viel bessere Bewerber am Start?«, fragte er den Professor. »Ach, weißt du«, antwortete dieser, »du warst mir halt sympathisch.«

 

Den Artikel in der Wirtschaftswoche könnt ihr hier nachlesen

Auf dem Foto oben seht ihr mich mit Radiomoderatorin Susanne Rohrer, die letzte Woche mein Gast beim Gute-Leute-Mittagstisch war. Alles, was wir gemeinsam machen, wird gut. Sie ist immer professionell, super vorbereitet, hat gute Laune, ist präsent und gewinnend. Und ich kann mich auf sie verlassen. Mit so jemanden möchte man einfach zu tun haben, da geht es mir wie dem Kunstprofessor.

Mit welchem Menschen hast du gerne zu tun?

Und warum?

 

Ich wünsche euch allen eine schöne Woche!

Von Herzen

Deine und Ihre

Monika Scheddin