Es ist schon viele, viele Jahre her. Silvester stand an. Ich hatte einige schöne Einladungen zur Wahl, war aber noch nicht festgelegt. Da rief mich eine Freundin an. Es ging ihr schlecht. Liebeskummer der fiesesten Art.

„Komme einfach nach München“, bot ich ihr an. Sie setzte sich in den Zug und war wenige Stunden später da.

Wir redeten viel, tranken vermutlich genauso viel, gingen spazieren, hörten traurige Musik.
Am nächsten Tag war Silvester. Wir schliefen aus und ließen uns durch den Tag treiben.

Während alle hektisch durch die Stadt liefen, tranken wir in aller Seelenruhe in einer Kneipe mit Aussicht unseren Kaffee. Redeten und beobachteten die Leute. Wir hatten keinen Plan für den Tag. Und keinen Grund zur Eile.

Gegen 21 Uhr waren wir zu Hause und inspizierten meinen Kühlschrank. Improvisierten und kochten uns gemeinsam etwas Schönes. Um Mitternacht klingelten die Nachbarn und wünschten uns ein „schönes Neues“. Wir schlossen uns ihnen eine Weile an zum Raketenfeuern und Feiern.

Nachdem sich die Stadt morgens früh beruhigt hatte, schrieben wir die Dinge auf Zetteln, die wir nicht mehr im neuen Jahr haben wollten. Und zündeten die Zettel genüsslich an.

Ein herrlich unspektakuläres Silvester, das – wenn ich so drüber nachdenke – nach Wiederholung schreit.

Dazu passt dieser schöne Satz von Joseph Campbell: Wir müssen bereit sein, uns von dem Leben zu lösen, das wir geplant haben, damit wir das Leben finden, das auf uns wartet.

o.k. – ich tue dann mal – nichts!

Ihre und Eure
Monika Scheddin