Es ist schon einige Monate her und doch weiß ich es noch wie heute: Ein Kollege hält einen Vortrag. Später treffe ich ihn auf dem Flur. „Tolle Rede! Viele kluge Sätze!“ – mein Feedback. Von Herzen ausgesprochen und ehrlich gemeint.
„So,“ entgegnet er, „welcher zum Beispiel?“
Und – Sie kennen solche Situationen vielleicht auch – mir fiel nicht ein einziger Satz ein. Ich hatte zwar Notizen gemacht, aber auswendig? Keine Chance.
Als der Kollege merkt, dass nichts Konkretes kommen wird, dreht er sich grußlos um und verschwindet.
Ich bin fassungslos. Ein wirklich arrogantes Verhalten und doch: ich habe meine Lektion gelernt. Insbesondere nachdem Wochen später nach meinem eigenen Vortrag der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, Peter Driessen, auf mich zukommt und mir gratuliert. „Ganz besonders gefiel mir Ihr Satz „Wer über Probleme lachen kann, der schmust schon mit der Lösung“.
Wenn Komplimente ankommen sollen, sind folgende Punkte wichtig:
- Zeitnah (damit man sich noch erinnern kann)
- Persönlich (pauschales Teamlob ist selten wirkungsvoll)
- Konkret (picken Sie sich ein zwei Sachen heraus, die Sie wirklich beeindruckt oder berührt haben).
Eine Kindergärtnerin hat mir berichtet: Schon im Kindergarten zeigen sich Kids nahezu unbeeindruckt, wenn sie das Feedback „Das ist aber ein schönes Bild!“ bekommen. Dagegen freuen sie sich wie Schneekönige, wenn es heißt: „Mir gefällt dein Bild richtig gut. Selten habe ich von einem Vierjährigen so eine ausgefuchste Satellitenanlage gesehen!“.
In dem Sinne: verteilen Sie hemmungslos Komplimente, aber beweisen Sie Feingefühl.
Ihre und Eure
Monika Scheddin
Foto: Divenkalender 2019, shutterstock
