„Als ich ihren Post bei Facebook sah, verspürte ich große Lust, irgendwas kaputt zu machen! Ich sah uns beide als Kleinkinder im Sandkasten und war gedanklich dabei, ihr mit dem Schüppchen eins volle Elle auf den Kopf zu hauen“ sagt Müller. Anlass des Ärgers war ein Foto der Schulfreundin, lächelnd, schön, im Luxusambiente mit dem Kommentar „Love my life!“
„Schön für sie! Ich dagegen hätte mich gefreut, wenn sie an meiner Seite wäre. Mir geht es nämlich gerade echt bescheiden. Ich konnte mich gerade noch davon abhalten, ihr einen extrafiesen Kommentar zu schreiben“.
Das allerdings geschah dem US-Komiker Patton Oswalt. Auf Twitter wünschte ihm ein älterer Mann den Tod. Oswalt reagierte erst geschockt, dann recherchierte er und fand heraus, dass es sich um einen schwerkranken Mann handelte, der seine Arztrechnungen nicht zahlen konnte. Oswalt konnte sich gut in die Lage des Mannes einfühlen und startete eine Spendenkampagne. Mehr als 30.000 Dollar kamen zusammen.
Was für ein weises Verhalten.
Ärger kann man nicht abschalten. Nur umwandeln.
Wenn eine Kränkung um die Ecke kommt, gibt es verschiedene Möglichkeiten zu reagieren:
- sich beleidigt zurückziehen
- (verbal) zurückschlagen
- wütend ein Boxtraining absolvieren, joggen, Holz hacken oder
- mit Großmut reagieren.
Ärger ist eine Form von Energie. Ich kann entscheiden, was ich damit anfange.
o.k., na gut. Vermutlich nicht sofort. Es braucht nicht selten so etwas wie Blitzableiter.
Ich persönlich habe gute Erfahrung mit Ärger-Budgets gemacht. Ich gebe mir als quasi die Erlaubnis für Ärger und entscheide zu Beginn, wieviel. Für richtig großen Ärger darf ich mich zwei Tag und zwei Nächte tüchtig ärgern. Für ganz kleinen Ärger muss nach spätestens 10 Minuten Schluss sein.
Im Ärgermodus befindet man sich in einer Art psychologischen Nebel, der eine klare Sicht auf die Dinge unmöglich macht. Das ist nur allzu menschlich.
Ich werde dann leicht ungerecht und weiß es auch. Finde aber für den Moment den Schalter fürs Abschalten nicht.
Jedes Verhalten hat eine positive Absicht. Für die Person, die sich so oder so verhält. Sie tut es in erster Linie nicht, um dem anderen zu schaden, sondern um sich zu nutzen. Und dabei wählt sie das beste Verhalten, dass ihr im Moment zur Verfügung steht.
Wenn wir es schaffen im Alltag nicht nur danach zu schauen, was wir brauchen oder gebraucht hätten, sondern versuchen zu verstehen, was der Andere gerade braucht, dann sind wir in Sachen Empathie schon ganz weit vorn. Zuhören heißt noch lange nicht zustimmen. Ein einfaches „es tut mir leid“ oder ehrliches „das kann ich gut verstehen“ reicht manchmal schon aus.
Die Not hinter der Botschaft in eine gute Tat umzuwandeln, wie es Patton Oswalt getan hat, ist schon großes Kino. Wir brauchen solche Vorbilder, die uns auf Ideen bringen.
Habt Ihr Ähnliches erlebt oder von schönen Beispielen gehört?
Einen schönen Start in die Woche wünscht Ihre und Deine
Monika Scheddin
