„Wenn Sie zufrieden sind, geben Sie dem Zimmermädchen täglich 10 Rand Trinkgeld“ – das empfiehlt der Reiseführer für Südafrika. 10 Rand entsprechen in etwa 60 Cent.
„Das mache ich auch!“, erklärt ein Mitreisender meiner Safari-Reisegruppe. „Man will ja schließlich nicht, dass was wegkommt!“
Am Abreisetag lässt er das mit dem Trinkgeld ganz sein und verlässt sein Zimmer „wie Kraut und Rüben“. Dinge, die nicht mehr in den Koffer passen, lässt er wahllos im Zimmer liegen. „Ist doch eh egal, die sehe ich ja nie wieder!“ Was wohl stimmen wird. Trotzdem mache ich mir Gedanken, denn gute Manieren zeigen wir doch hoffentlich nicht nur für Andere, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Zeitlich begrenzte Zweck-Artigkeit ist nicht ungewöhnlich. Doch herablassende Wurschtigkeit Mitmenschen gegenüber hinterlässt auf Dauer Spuren. Und zwar bei uns selbst.
Hinterlasse niemals verbrannte Erde. Es könnte eine Gewohnheit werden.
Befördere Dinge, die du wegschmeißen möchtest, in den dafür vorgesehenen Mülleimer. Sonst könnte es dir passieren, dass das freundliche Personal dir die Sachen hinterherträgt.
Genauso ist es dem lieben Mitreisenden ergangen. Zwei Mal wurden ihm vor versammelter Reisegruppe seine Hinterbliebenschaften hinterhergetragen: einmal ausgelatsche Flipflops, einmal seine Unterhosen – beides wollte er entsorgen, machte sich aber nicht die Mühe, sie auch in den Mülleimer zu werfen.
Soviel zum Thema: „Die sehe ich ja nie wieder“.
Trinkgeld als Schutzgeld ansehen? Was für ein Menschenbild. Für mich ist Trinkgeld eine Form, Freude zu teilen. Insbesondere in Ländern, wo sich ein Zimmermädchen im Leben keine Reise leisten können wird. Der Gegenwert von einer Woche Trinkgeld entspricht dem eines Glases Wein.
Das kann sich jeder Reisende leisten, der will.
