Heute ist Tag 9 der Ausgangssperre in Bayern. Erst. Denn auch das fühlt sich länger an. Inzwischen vermehrt sich das Gejammere, was denn alles nicht geht. Ich weiß, das ist einiges.
Und doch, wenn es so ist, dann ist es so.
Jammern ändert keine Fakten.
Ich bin sehr dankbar darüber, dass ich zumindest hinaus darf in die Natur. Mein Tag beginnt mit meiner Morgenrunde durch den Luitpoldpark oder durch den Englischen Garten.
Duschen, Frühstücken, an den Schreibtisch.
Meine Haltung ist: etwas Gutes bietet jeder Tag.
Das kann die prächtige Natur sein. Wenn ich eine seltene Wasseramsel sehe. Ein schönes Feedback. Ein unverhoffter Anruf. Eine nette Karte im Briefkasten. Sollte sich nichts ereignen, könnte man ja auch selbst aktiv werden.
Vielleicht verdanke ich diese Haltung auch der nachfolgenden Geschichte, die mir vor vielen Jahren begegnet ist.
Der schwarze Punkt
Eines Tages kommt eine Professorin in den Kurs und kündigt einen Test an.
Sie verteilt das Aufgabenblatt, das wie üblich mit dem Text nach unten zeigt.
Dann fordert sie die Studenten auf, die Seite umzudrehen und zu beginnen.
Zur Überraschung Aller gibt es keine Fragen – nur einen schwarzen Punkt in der Mitte der Seite.

Dazu erklärt die Professorin:
„Ich möchte Sie bitten, das aufzuschreiben, was Sie dort sehen.“
Die Studenten sind verwirrt, aber beginnen mit ihrer Arbeit.
Am Ende der Stunde sammelt die Professorin alle Antworten ein und liest sie vor.
Alle Studenten hatten ohne Ausnahme den schwarzen Punkt beschrieben
– seine Position in der Mitte des Blattes, seine Lage im Raum, sein Größenverhältnis zum Papier etc.
Die Professorin lächelt und sagt:
„Ich habe Ihnen eine Aufgabe zum Nachdenken gegeben.
Niemand hat etwas über den weißen Teil des Papiers geschrieben.
Jeder konzentrierte sich auf den schwarzen Punkt – und das gleiche geschieht in unserem Leben.
Wir haben ein weißes Papier erhalten, um es zu nutzen und zu genießen,
aber wir konzentrieren uns auf die dunklen Flecken.
Unser Leben ist ein Geschenk, das wir mit Liebe und Sorgfalt hüten sollten
und es gibt eigentlich immer einen Grund zum Feiern:
die Natur, die sich jeden Tag erneuert, unsere Freunde, unsere Familie, die Arbeit,
die uns eine Existenz bietet, die Wunder, die wir jeden Tag sehen …….
Wie oft sind wir nur auf die dunklen Flecken konzentriert – die gesundheitlichen Probleme,
der Mangel an Geld, komplizierte Beziehungen,
die Enttäuschung über einen Freund, Erwartungen, die nicht erfüllt werden usw.
Die dunklen Flecken sind sehr klein im Vergleich zu allem, was wir in unserem Leben haben,
aber sie sind diejenigen, die unseren Geist beschäftigen und trüben.
Nehmen Sie die schwarzen Punkte wahr, doch richten Sie ihre Aufmerksamkeit
mehr auf das gesamte weiße Papier und damit auf die Möglichkeiten
und glücklichen Momente in ihrem Leben.
In dem Sinne: nutze, was du hast. Tu, was du immer schon tun wolltest.
Mache dir einen Plan und sei großzügig mit dir.
Eine schöne Woche wünscht
Deine und Ihre
Monika Scheddin
