Tag 17 der Ausgangssperre.
Die Tage sind prall gefüllt: meine Morgenrunde im Park, Schreiben, Online-Konferenzen. Nachhaltend viel Kontakt zur Familie in Kanada und NRW. Viel Kontakt zu Freunden auf allen Kanälen. Und auch die Lieblingskunden schreiben. Je mehr Tage ohne Termine, desto besinne ich mich – ja, auf was eigentlich?

TV-Unterhaltungsshows mit hohem Werbeanteil halte ich nicht mehr aus. Selbst meine heißgeliebte Start-up-Sendung „Höhle der Löwen“ wird mir zuwider. Die Gier, die Maschmeyer und Co. aus allen Investoren-Poren zu triefen scheint, macht mich sauer.

Von allen Seiten bekomme ich plötzlich unfassbar viel Wertschätzung gezeigt: Hammer-Bewertung auf Linkedin, Empfehlungen, Amazon-Rezensionen, eMails und sogar der eine oder andere Brief. Das genieße ich sehr.

Meine Freundin Nicola Tiggeler hat ihren runden Geburtstag nicht wie geplant feiern dürfen. Kurzerhand hat sie mit ihren Gästen im Netz angestoßen. Das war sehr schön und berührend.

Krisen machen kreativ, wenn wir es zulassen.

Wie sagte Max Frisch so schön:
Eine Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

Mein Freund Bernd, Speaker und Zauberkünstler, hat gerade einen 450-Euro-Job im Supermarkt angetreten. „Die Steuer ist gemacht, Ordner sind sortiert – ich muss irgendetwas Sinnvolles tun“, sagt er, und ich weiß einmal mehr, warum wir befreundet sind.

Ich lerne gerade, Online-Konferenzen zu moderieren. Jeden Mittwochabend versammeln sich die Mitglieder meines Business-Clubs im Netz und wir tauschen unsere Erfahrungen aus. Nach Ostern wird Modul zwei meiner Coaching-Ausbildung online durchgeführt werden. Zum ersten Mal in meinem Leben ein dreitätiges Webinar nach 21 Jahren live Coaching-Ausbildung. Wie das werden wird? Anders. Wir werden es erfahren.

Ich weiß: Kein Nachteil ohne Vorteil.

Ich fürchte, ich entwickle mich zum Spießer: gehe inzwischen immer öfter früh ins Bett und stehe mit den Hühnern (na ja mit den bayrischen Singvögeln) auf. Achte auf Bewegung. Nehme drei gesunde Mahlzeiten ein und koche jeden Mittag frisch.

Gestern ist es zum äußersten gekommen.
Ich habe gebacken. Muffins.
Den letzten Kuchen habe ich meines Wissens nach 1998 gebacken. Ja, ich entwickele mich zur Spießerin und es fühlt sich gut an.

Zum Schluss noch ein Buchtipp.

Dieses Buch wurde mir in unserer Mittwochsrunde empfohlen und ich bin begeistert. Ein Gentleman in Moskau. Darum geht es: der smarte Graf Alexander Rostov führt ein sehr angenehmes, privilegiertes Leben. Genau das ist dem Moskauer Volkskommissariat im Jahr 1922 ein Dorn im Auge und verurteilt den Grafen zum lebenslangen Hausarrest im Hotel Metropol. Von den ersten Seiten an bin ich Fan von Graf Rostov und diesem wunderbaren Buch von Amor Towles (Ullstein Verlag). Es ist kein Buch, das in der aktuellen Lage traurig macht, im Gegenteil: es fasziniert und inspiriert.

Lasst euch nicht verrückt machen.

Ein zeitweiliger Lagerkoller ist völlig in Ordnung. Probiert euch aus. Findet eine gute Struktur und holt das Beste aus der aktuellen Situation heraus.

Eine schöne Osterwoche wünscht

Ihre und Eure
Monika Scheddin