Ich schaue aus meinem Küchenfenster und sehe einen Boten. Meine Nachbarn haben sich etwas zu essen bestellt.
Das erstaunliche an diesem Boten ist, dass er sich sehr, sehr langsam fortbewegt. Geruhsam.
Fasziniert verfolge ich die Szene. Das Essen dürfte vermutlich kalt bei den Empfängern ankommen.

Ich warte noch eine Zeit darauf, dass er wieder zurückkommt. Nach gefühlten 5 Minuten kommt er genauso schlendernd und geruhsam zurück. Amüsiert überlege ich, wann ich einen Lieferanten jemals in so demonstrierter Langsamkeit erlebt habe. Antwort: noch nie.

Sind wir es doch gewohnt, dass eigentlich alle Boten hetzen und eilen. Weil sie müssen. Weil ansonsten am Ende der Schicht noch viele potenzielle Paketempfänger auf ihrer Liste stehen würden. Ich glaube nicht, dass dieser Mann seinen Job lange behält. Und ich glaube auch nicht, dass dies der richtige Job für ihn ist. Aber mir hat er den Tag erhellt.

Das langsame und nahezu majestätische Tun strahlte für mich ganz viel Unbeugsamkeit und Würde aus.

Und ich frage mich:

  • Wann hetze ich und was tut die Eile für mich?
  • Wieviel Zeit spare ich, wenn ich Dinge schnell erledige? Und ist es womöglich unter dem Strich ein Draufzahlgeschäft? Ich vermute es.
  • Brauche ich die Eile (außer beim Sport) noch? Oder geht es anders womöglich besser?

Das sind meine Gedanken, bevor ich mich drei Tage ganz gechillt aufs Malen konzentrieren werde.

Eine schöne Sommerwoche
wünscht Ihnen und Dir

Monika Scheddin

 

Foto: Christiane Wolff