Albert Einstein schrieb einmal an eine Tafel:
9 x 1 = 9
9 x 2 = 18
9 x 3 = 27
9 x 4 = 36
9 x 5 = 45
9 x 6 = 54
9 x 7 = 63
9 x 8 = 72
9 x 9 = 81
9 x 10 = 91
Sofort gab es einen Tumult im Klassenzimmer, weil Einstein einen Fehler gemacht hatte. Die richtige Antwort auf 9 × 10 ist eben nicht 91. Die Schüler feixten und verspotteten ihn.
Einstein wartete darauf, dass wieder Ruhe einkehrte und sagte dann:
„Trotz der Tatsache, dass ich neun Aufgaben korrekt gelöst habe, hat mir niemand gratuliert.
In dem Moment, wo ich einen Fehler machte, fingen alle an zu lachen. Dies bedeutet, dass selbst wenn eine Person erfolgreich ist, die Gesellschaft ihren geringsten Fehler bemerken wird. Und es wird ihnen gefallen.
Lasse nicht zu, dass Kritik deine Träume zerstört. Die einzige Person, die nie einen Fehler macht, ist jemand, der nichts tut.“
In menschlichen Beziehungen werden ständig Fehler gemacht. Eine fiese Bemerkung, jemand kopiert deine Idee, Hochzeitstag vergessen – das sorgt für schlechte Gefühle – von Ärger, Kränkung bis hin zu Kontaktabbruch.
Sehr häufig ist dem Gegenüber sein „Fehlverhalten“ überhaupt nicht bewusst, weil es nicht angesprochen wurde.
Warum können manche Menschen einfach nicht verzeihen?
Ich rede hier über Kränkungen und „Fehler“ ohne Absicht und nicht über Verbrechen. Über Kleinigkeiten – von außen betrachtet.
Trotzdem erlebe ich immer wieder, dass Menschen schwer verzeihen können.
Warum? Weil verurteilen einfacher ist.
Manche wollen den anderen bestrafen, um Schuldgefühle bei ihm zu wecken und sich selbst dadurch besser zu fühlen. Das funktioniert aber in den seltensten Fällen. Oft ist sich das Gegenüber seiner „Schuld“ gar nicht bewusst, da er oder sie den Vorfall als Lappalie einstufte. Infolgedessen existiert gar kein schlechtes Gewissen.
Verzeihen können ist ein Zeichen für Stärke.
Und klug obendrein, denn das ständige Mit-sich-tragen von Ärger und Groll tut dem Körper nichts Gutes. Der Psychologie-Professor Carsten Wrosch erforscht negative Emotionen, insbesondere welche Effekte Bitterkeit aufs Leben haben.
Sein Fazit: „Bitterkeit, insbesondere wenn sie chronisch wird, kann erheblichen Einfluss auf biologische Funktionen haben, unser Immunsystem schwächen oder regelrecht krank machen, nicht nur mental.“
Menschen, die nicht verzeihen, riskieren Bluthochdruck, hohen Cortisolspiegel, Rückenschmerzen, Gewichtsanstieg durch Frustessen und die Gefahr einer Depression.
- Was helfen kann:
- Ein Budget fürs „Beleidigt-sein“ (z.B. 1 Woche)
- Sich an die guten Zeiten erinnern
- Die Entscheidung, verzeihen zu wollen
- Aus dem Fehler etwas Verbindendes schaffen
Man kann auch Menschen ohne deren Wissen verzeihen.
Und auch sich selbst.
Vergeben heißt nicht, dass wir auch vergessen müssen. Dazu ein schönes Zitat von Arthur Schopenhauer: Vergeben und vergessen heißt, kostbare Erfahrungen zum Fenster herauswerfen.
Solange man nicht verzeiht, bleibt man verbunden. Allerdings auf ungute Art und Weise.
Eine Kollegin hatte sich einst meine Seminarbeschreibung inklusive Titel „ausgeliehen“. Das ist schon viele Jahre her. Wir hatten es besprochen. Ein sehr kostbares Gespräch und seitdem arbeiten wir immer wieder mit Freude zusammen.
Lasst ein Ärgernis nicht das Ende sein, sondern macht einen Neuanfang draus. Wenn es geht.
Eine schöne Woche wünscht von Herzen
Ihre und Deine
Monika Scheddin
