Letzte Woche habe ich doch glatt meinen Montagsbeitrag hier geschwänzt. „Du muss noch deinen Artikel schreiben“, schärfte mir meine verantwortungsbewusste Seite rechtzeitig ein. „Aber das schaffst du kaum, weil du vier Tage in der Ausbildung bist und dann auch noch zwei Vorträge vorbereiten musst“, wagte meine mütterliche Seite einzuwenden. Tja, und dann hat mich mein Gedächtnis zuverlässig im Stich gelassen. „Es war zu deinem Besten“, hat es sich herausgeredet.
Trotzdem ist ein gefühltes „Du musst“ etwas, das dich gerne mit einem schlechten Gewissen dastehen lässt. Ein gutes Thema für meinen heutigen Blog.

Es ist schon ein paar Jahre her. Ich reise mit dem Nachtzug von München nach Usedom zu einem Familientreffen.
Frühmorgens komme ich am kleinen Bahnhof an und suche den Weg zum Hotel. Es ist menschenleer. Endlich kommt ein Auto, bleibt an der einzigen Ampel stehen. Ich gebe dem Autofahrer ein Zeichen, worauf er die Scheibe herunterkurbelt.
≫Wissen Sie, wie ich zum Strandhotel komme?≪, frage ich ihn.
Er überlegt kurz. Die Ampel springt auf Grün. Ein panisches ≫Ich muss weiter!≪ – und weg ist er. Hinter ihm – kein Mensch.
≫Na, danke fürs Gespräch ≪, denke ich.

Manchmal führt eine grüne Ampel dazu, sich fremdsteuern zu lassen.
Wie oft hat sich ein „ich muss“ in unserem Leben breit gemacht:
Ich muss jetzt bügeln
Ich muss jetzt die Buchhaltung machen
Ich muss jetzt kochen, die Mutter anrufen, Vokabeln abhören ….

Was, wenn das gar nicht stimmt?
Muss ich oder will ich?

Wenn man nicht muss und auch nicht will, dann lässt man die Sache am besten. Zumindest für den Moment.

Neulich war ich nachmittags unfassbar müde. Ich „musste“ noch ein paar Unterlagen für die Steuerberaterin für den nächsten Tag zusammenstellen. Es fühlte sich mühsam an. Angenommen, ich müsste nicht, was wäre dann? fragte ich mich. Tja dann, würde ich jetzt einfach einen Mittagsschlaf machen. Genau das habe ich getan und es war die beste Entscheidung für genau den Moment. Am nächsten Morgen fiel mir das Belege-heraussuchen kinderleicht und es war keine große Sache.

Unser Körper ist eine gute Beratungsinstanz. Höre auf ihn.

2 ultimative Praxistipps, wenn du mal wieder im gesteigerten ich-muss-Zustand bist

1) Höre und schaue dir diesen Song an. Die Sterne – Du musst gar nix
2) Stelle dir einen Darf-Schein aus (oder lass ihn dir von jemanden ausfüllen).

Diese Idee stammt von meiner Freundin Anke Meyer-Grashorn in ihrem Buch „Spinnen ist Pflicht.
Jedes „ich darf“ nimmt dem „ich muss“ die Schärfe.

Wenn du gerade viele „Ich-Muss“ in deinem Leben hast, dann lies dir doch diesen Artikel durch.

Ich wünsche dir in dieser Woche viel Frohsinn und auch Eigensinn.
Und vielleicht einen Tee mit Spekulatius.
Du musst nicht auf Weihnachten warten.
Es sei denn, du willst.

Von Herzen

Deine und Ihre
Monika Scheddin

 

Foto: Mike Marchetti