Letzte Woche hat mich, wie viele von euch, die Geschichte rund um Collien Fernandes stark beschäftigt. Ich war geschockt. Die stiehlt jemand ihre Identität, um in ihrem Namen gefakte Fotos und Filme zu verbreiten, die man nicht im Netz haben will.
Und ich habe mich gefragt, warum so viele Menschen derart geschockt waren, dass sie nicht nur im Netz ihre Solidarität zeigten, sondern auch in Scharen demonstrierten.
Niemand von uns weiß genau, was geschehen ist. Wir haben bisher nur eine Stimme gehört, nämlich die von Collien. Es gilt die Unschuldsvermutung, denn wir leben in einem Rechtsstaat. Und trotzdem können wir uns alle sehr gut vorstellen, wie es muss, wenn man der Person, mit der man Wohnung und Bett teilt, ein gemeinsames Kind hat, nicht länger vertrauen kann. Wenn man sich verraten fühlt. Verrat ist furchtbar.
Wir sind alle schon mal verraten worden. Unser Vertrauen ist missbraucht worden. Aber in dieser Dimension? Das will man sich gar nicht vorstellen.
„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht, unsere Reaktion zu wählen“ – sagte Viktor Frankl.
Collien Fernandes erfährt viel Solidarität, aber auch Häme, Beleidigungen, Morddrohungen.
Ich frage mich, wann haben wir damit begonnen diese Unart im Netz als normal zu akzeptieren?
Da wird Menschen geraten, sich ein dickeres Fell anzulegen. Was für ein Hohn!
Nur weil es einfach geht, sind Identitätsklau, Beschimpfungen und Drohungen noch lange nicht in Ordnung. Solange wir in Deutschland Datenschutz wichtiger nehmen als Menschenschutz, kommen wir nicht weiter. Ich bin stark dafür, dass endlich wieder Anstand einzieht. Dass wir gute Gesetze haben, die Menschen schützen.
Technisch ist es möglich, Menschen, die Gewalt in Worten ausüben, zu identifizieren und zu verfolgen (sprich zu bestrafen).
Wer will, findet Wege.
Wer nicht will, findet Ausreden.
Für uns „Außenstehende“ wäre das Gefühl von Ohnmacht schrecklich. Aber wir können etwas tun. Wir können darüber diskutieren. Feinfühlig bleiben. Uns einmischen. Darüber schreiben. Die richtigen Parteien wählen. Selbst polititsch aktiv werden.
Nachdenkliche Grüße sendet
Deine und Ihre
Monika Scheddin
