Wir haben vergangene Woche Weltfrauentag gefeiert. In meiner Keynote habe ich ein paar Fakten zusammengetragen „Frauen früher – aktuell – in Zukunft“, die ich heute mit euch teilen möchte.
Früher
Wenn wir zu der Zeit von Albrecht Dürers Mutter geboren wären, ginge es uns nicht so gut. Die meisten von uns wären nicht mehr am Leben. Im Durchschnitt wurden die Frauen im 16. Jahrhundert nämlich nur 29 bis 30 Jahre alt. Wer das gebärfähige Alter überlebte, konnte bis zu 60 Jahre alt werden. Dürers Mutter Barbara hatte Glück, sie wurde – trotz der 18 Geburten – stolze 62 Jahre alt – sah aber aus wie eine 100jährige Greisin.
1880 Einführung des Lehrerinnen Zölibats. Frauen mussten den Beruf als Lehrerin aufgeben, wenn sie heirateten. Man befürchtete, sie könnten nicht gleichzeitig ihre Verpflichtung als Gattin, Mutter und Pädagogin gerecht werden. Das Zölibat hielt sich noch lange, in Baden-Württemberg bis 1956.
Der Hutnadel-Skandal: als Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder vermehrt unbegleitet am öffentlichen Leben teilnahmen, behandelten sie viele Männer wie Freiwild. Sie bedrängten sie massiv, verfolgen und begrapschten sie. 1903 wehrte sich Leoti Blaker in New York gegen den Übergriff eines Mannes, indem sie ihn mit einer Hutnadel in den Arm stach. Daraufhin brachen Tumulte aus, Hutnadeln wurden per Gesetz verboten. Der öffentliche Raum wurde zur Gefahrenzone erklärt – für Männer. Man musste sie vor wehrhaften Frauen schützen und konnte sie verhaften, nur weil sie einen Hut trugen. Schusswaffen allerdings waren damals und sind bis heute in den USA kein Problem.
Erst seit Juli 1958 dürfen Frauen ohne Zustimmung ihres Mannes den Führerschein machen
Bis 1962 konnten Frauen ohne Erlaubnis ihres Mannes kein Konto eröffnen. Damit sollte das „Geheimsparen“ verhindert werden.
1970 wurde ein wichtiges Jahr für uns Frauen
In der Tagesschau wurde von 1952 bis 1970 noch so begrüßt: „Sehr geehrte Herren“, da Frauen nicht als Zielgruppe galten. Wer sprachlich nicht explizit genannt wurde, ist eben nicht gemeint. Auch nicht mitgemeint.
Erst 1970 durften Frauen Fußball spielen. Allerdings mit Einschränkung bis 1986: keine Trikotwerbung. Man wollte wegen Verzerrungen durch die weibliche Anatomie die Sponsoren nicht verärgern.
Aktuell
Wir können heute alles werden oder schaffen: außer Papst. Soweit die Theorie.
Doch in der Praxis fängt es schon damit am, wenn ich recherchiere und „Vorständinnen“ diktiere. Mein eigenes Handy mobbt mich und schreibt: „Vorständen“ (egal ob Google oder Perplexity). Der KI fehlt es an Vorstellungsvermögen. Immer noch. Und sie weigert sich, dazuzulernen. „Jalousien“ dagegen kann die Diktierfunktion sofort richtig aussprechen, egal wie sehr ich nuschle.
Lohnlücke, Gender-Pay-Gap: 16 % verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer.
Es gibt zwar seit 1. Januar 2016 rechtsverbindliche Quoten für Vorständinnen und Aufsichtsrätinnen mit theoretisch empfindlichen Strafen für Nichteinhaltung. Doch bisher wurde (in 9 Jahren!) noch niemand tatsächlich bestraft.
Es gibt Belege / Studien: mehr Führungsfrauen in Firmen führen zu höherer Teamleistung, besseren Problemlösungen, verbesserte Arbeitsatmosphäre, besseres Krisenmanagement. 30 % Führungsfrauen stehen für 15 % mehr Gewinne. Gemischte Teams sind nachweislich innovativer. Doch auf den Ohren der Macht sind die Jungs taub.
Dax 40 nur 26 % Frauen im Vorstand (Stand Jan 25). Gesamte DAX-Familie (DAX, MDAX, Sdax) noch unter 20 %. In 37 % aller Unternehmen befindet sich noch keine einzige Frau im Vorstand.
Es gibt neue Worte wie mansplaining. Man – Explaining. Also ein Mann erklärt einer Frau – gerne ungefragt – die Welt. Und dabei stört es ihn Null, wenn SIE die Expertin im Raum ist. Mansplaining – auf Deutsch: Herrklären
Frauen bleiben durchschnittlich 3 Jahre in Vorstandsposition, Männer 7, warum? Weil die Umstände und die Atmosphäre immer noch frauenfeindlich sind. Da sagen sich die schlauen Frauen: „Ich habe nur ein Leben. Ich lasse mich nicht quälen und bin dann mal weg.“
Die Zukunft
Könnte weiblich sein, wenn wir endlich zupacken und nicht warten, dass die Jungs uns Platz geben. Machen sie nicht. Aus Gewohnheit.
Je digitaler die Welt, desto mehr Menschlichkeit wird gebraucht
Werte (Unbestechlichkeit, Flexibilität) – hier sind Frau ganz weit vorn.
Kreativität, emotionale Intelligenz, Menschlichkeit – Chancen in Ethik & Recht – Frauenstärken
Gefühle: Menschen wollen sich gut fühlen. Insbesondere in digitalen Zeiten
Menschen kaufen Produkte oder Dienstleistungen aus Gefühlsgründen. Gute Gefühle, die sie mit dem Produkt oder der Dienstleistung erreichen wollen oder schlechte Gefühle, die sie loswerden wollen. Gefühle können wir Frauen, darüber reden wir seit der Pubertät
Wir brauchen mehr Geld.
Frauen haben verstanden: es muss sich nicht alles wirtschaftlich lohnen. Die Würde des Menschen (z.B. bei kranken und alten Menschen) darf uns als Gesellschaft etwas wert sein.
Wir könnten mal mit weniger Steuerverschwendung beginnen. Nur zwei Beispiele: Das Pkw-Maut-Desaster kostete den SteuerzahlerInnen 300 Mio € . Die marode Stadt Wuppertal hat zehn Sitzbänke für 400.000 Euro angeschafft– sowas geht mit Frauen nicht.
Dann könnten wir Firmen wie Amazon, Ikea, Apple und Co. dazu bringen, endlich Steuern in Deutschland zu zahlen.
Frauen spielen eine zentrale Rolle in der Friedensförderung. Studien belegen, das Friedensabkommen 35 % länger halten, wenn Frauen an den Verhandlungen beteiligt sind.
Es gibt einen besonderen Platz in der Hölle für Frauen, die anderen Frauen nicht helfen.
Madelein Albright, ehemaligen US-Außenministerin
Lasst uns bewusst und willentlich andere Frauen unterstützen.
Lasst uns nicht länger warten, bis die Jungs uns den Platz in der Welt geben, der uns zusteht.
Wir holen ihn uns einfach. Und tun dann so, als wären die Jungs selbst draufgekommen. 😊
Ich wünsche dir eine schöne Woche!
Von Herzen Deine und Ihre
Monika Scheddin
