Liebe Leute, während ich diese Zeilen schreibe, ist es erst 17.00 Uhr und schon zappenduster. Das kann man nicht ändern, es sei denn man verreist. Aber man kann es sich schön machen. Mit Kerzenlicht, Lichterketten und Co. Mit heißem Tee, Glühwein oder Punsch. Herrlich!

Dazu passt hervorragend dieses Buch von Axel Hacke: „Über die Heiterkeit in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wichtig uns der Ernst des Lebens sein sollte“

Axel Hacke kennen vermutlich viele von euch durch seine Kolumne im SZ Magazin. Er ist ein tiefsinniger, gebildeter und anständiger Mensch. Der Titel sagt ja schon aus, worum es ihm geht.

Dies sind meine Lieblingsstellen:

„Ich denke an die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich, vor der – sie war da schon 91 – einmal ein mittelalter Mann in einem Frankfurter Hörsaal ein längeres Statement über die düstere Lage der Nation abgab, vom allgemeinen Werteverfall bis zur Unfähigkeit der Politiker. Vom Untergang der Welt war seine Klage wohl nicht weit entfernt.

Mitscherlich lächelte nur und sagte: „Das ist mir alles viel zu wehleidig, junger Mann. Sie sind ja nur am Jammern. Lassen Sie es mich so sagen: jedes Leben hat seine Erschütterung, jede Zeit auch. Diese Selbstverständlichkeit zu beklagen – da machen Sie es sich sehr einfach.“

Dieses Zitat ist recht untypisch für Axel Hacke. Er schreibt:

„Die bayerische Kabarettistin Monika Gruber, deren Spezialität es ist, sich in einer bisweilen dämlich-selbstgefälligen Art über veganes Essen, Begriffsverbote und Gender Sprache zu belustigen …“

Und da gebe ich ihm Recht. Obwohl ich Monika Gruber eigentlich mag, empfinde ich ihr Verhalten inzwischen ebenfalls grenzwertig. Abfällig und gehässig. Künstlerische Freiheit darf auch andere Meinungen gelten lassen.

Wir werden insgesamt sensibler und empathischer, was gut ist. Doch in der Übertreibung liegt der Fehler.

Axel Hacke schreibt auf Seite 102: „Und die Frage, die sich jede und jeder selbst stellen müsste, ist: will ich wirklich so sein, dass mich alles und jedes ständig verletzt? Wäre es nicht schöner, ich könnte über manche Unbedachtheit oder Büffeligkeit oder Andersartigkeit lächeln und mich anderen Dingen zuwenden?“

Und auf Seite 103: „Der Zeitbefehl heute lautet: Sei authentisch! Dulde nichts, was nicht ganz du selbst bist!

„Die Folgen“, so Pfaller, „sind Unfähigkeit zum Genuss, Erschöpfung, Depression, Ängstlichkeit, Hass auf das Glück des anderen und politischer Beuteverzicht.“ Was er mit politischem Beuteverzicht gemeint hat, habe ich nie verstanden – aber sonst? Ist was dran, oder?

Ein lohnendes Buch.

Eine wunderbare Woche und einen schönen ersten Advent wünscht

Ihre und Eure
Monika Scheddin

 

Foto Monika Scheddin Thomas Wieland