Ein Vortrag für einen Konzern steht an. The Power of Networking – eines meiner Lieblingsthemen. Es gibt drei Vorbesprechungen, weil mehrere Menschen an den Vorbereitungen beteiligt sind. Hybrid wird das Ganze stattfinden mit dem Vorteil, dass auch die Mitarbeiter in anderen Standorten teilnehmen können. (Nachteil: ich muss meinen Blickkontakt teilen – mal das Livepublikum, mal die Teilnehmer vor den Monitoren, die ich nicht sehen kann).
Dann muss der Vortrag doch auf Englisch erfolgen. Das bedeutet Extra-Übezeit für mich, denn üblicherweise spreche ich auf Deutsch. Aus Sicherheitsgründen muss die Präsentation vorab geschickt werden, jedoch nicht mit den üblichen Websites (nicht sicher genug), sondern mittels einer Website, wo ich fast daran verzweifele, ein topsicheres Passwort zu kreieren. Dann endlich – alles ist raus. Am nächsten Morgen die Meldung: die Schrift kann nicht gelesen werden. „Bitte ändern Sie auf Calibri oder Arial“. Grhh – noch eine Stunde Extraarbeit. So, endlich alles erledigt. „Die Pflicht ist getan, morgen kommt die Kür“, so denke ich.
Mehr als pünktlich bin ich beim Kunden, doch dann … lassen sie mich nicht herein.
Ich habe keinen Personalausweis dabei. DAS hatte mir keiner gesagt, hätte ich mir aber denken können.
Tja, was tun?
Worst case
Ich muss zurückfahren nach Hause. Das kostet mich hin- und zurück eine knappe Stunde und ist zeitlich machbar. Wenn auch sportlich.
Best case
Ich denke darüber nach, ob ich irgendwo auf dem Handy meinen Ausweis oder Pass gespeichert habe. Suche grob und finde nichts. Dann fällt mir ein, dass ich ja letztes Jahr meinen Autohändler gewechselt habe und der neue für den Leasingvertrag gefühlt ALLES von mir wissen wollte. Ich rufe meinen Ansprechpartner an und 3 Minuten später bekomme ich meinen Reisepass als PDF zugemailt. Das reicht ausnahmsweise.
Entspannung bringt Handlungsspielraum
In solchen Situationen bin ich inzwischen absolut entspannt. Es nutzt überhaupt nichts, mich innerlich zu beschimpfen oder die Damen an der Rezeption. Sie haben ihre Anweisungen und wollen ihren Job gut machen. Ich weiß, Kreativität und Stress sind keine Freunde. Tief durchatmend die „grundsätzlichen Möglichkeiten“ finden und dann schauen, was davon funktioniert.
Der Vortrag lief dann super. Ich war mehr als präsent und gut drauf. Das Feedback war wunderbar. Wenn sich die ganze Mühe und die Extrameilen auszahlen, dann ist gut.
Kennst du Situationen, wo du inmitten vom völligen Chaos, wunderbar gechilled reagiert hast?
Was hat dich dazu befähigt?
Wie bist du bei den Beteiligten in Erinnerung geblieben?
Kennst du frühere Situationen, bei denen du nicht so cool und entspannt reagieren konntest?
Bei mir waren es Situationen in der Pubertät und auch später als junge Führungskraft, wo ich mich aufgeregt auf Problem und (vermeintlich) Schuldige konzentriert habe, was wenig hilfreich ist. Heute habe ich verstanden: Bei aller Ernsthaftigkeit geht es im Business nicht um Leben und Tod.
Ich wünsche euch allen eine schöne Herbstwoche!
Von Herzen
Deine und Ihre Monika Scheddin
PS: das Titelbild ist 2017 auf unserer 5-wöchigen Rundreise durch Neuseeland entstanden und steht für mich für Entspannung pur. Selbst das Wasser ist spiegelglatt und „sagt keinen Mucks“.
