Auf meiner Morgenrunde im Luitpoldpark. Kurz bevor es zurück geht nach Hause, gönne ich mir meine Stretchingeinheit mit Alpenblick. Armbeugen an der linken grünen Bank, da taucht eine alte Frau mit Stecken auf. Schaut mich kaum an. Wirkt irgendwie grimmig. Ich denke mir nichts dabei und mache weiter. Sie läuft hinter meinen Rücken hin und her. Es fühlt sich unheimlich an. Dann marschiert sie zur rechten, bunten Bank. Wirkt unschlüssig. Kommt auf mich zu und dann – zack – schmeißt sie die beiden Stecken auf die Bank vor mir. Erschrocken weiche ich einen guten Meter zurück. Die alte Dame nutzt ihre Chance und besetzt die „meine“ Bank. Hat im wahrsten Sinne des Wortes ihr Revier abgesteckt. Quasi eine feindliche Übernahme. Komplett ohne ein einziges Wort.
So muss es sich anfühlen, wenn Eulen den tiefdunklen Wald geräuschlos durchqueren und ihre Beute überraschen.
Ich bin perplex. Verwundert. Beschließe aber, dass ich genügend gestretcht bin und trete den Heimweg an.
Dann muss ich grinsen.
Menschen ergreifen immer die beste Handlungsalternative, die ihnen zur Verfügung steht.
Die alte Dame hätte noch weitere Möglichkeiten gehabt, z.B:
- Die andere Bank wählen
- Warten, bis ich fertig bin
- Mich fragen, ob ich ein Stück rücken kann
Aber sie hat nur diese eine Option für sich gesehen. Die absolut kreativste, wie ich finde. Wie gerne hätte ich ein Video von der Szene mit Fokus auf mein Gesicht gehabt.
Auch ich hätte anders reagieren können, z.B.
- verschnupft „was soll das?“
- auf mein „Recht“ pochend „ich war zuerst hier!“
- sie ignorieren und weiter trainieren …
Doch ich bin der Meinung, dass sich diejenigen, die flexibler sind, bewegen dürfen. Recht hin – Recht her. Menschen verhalten sich bisweilen merkwürdig. Warum? Das muss man nicht verstehen, man kann es einfach akzeptieren.
Die alte Dame brauchte an dem Morgen ihre Bank. So einfach kann es sein.
Ich wünsche euch eine wunderbare Woche.
Und uns allen nette Menschen, die es aushalten, wenn wir uns bisweilen ein wenig verhaltensoriginell zeigen.
Deine und Ihre
Monika Scheddin
P.S. Großzügigkeit ist eine Erfolgszutat. Doch nur wer großzügig sich selbst gegenüber ist, wird es auch anderen gegenüber sein. STRESS macht uns eng und verhindert Großzügigkeit. Haltet euch den Stress vom Leibe.
