Was du nicht änderst, hast du somit gewählt. Zumindest für den Augenblick. Sehr passend ist der Wochenspruch meines Coachingkalenders.
Letzte Woche hat Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern angekündigt, dass sie ihr Amt niederlegen wird. Sie sei müde.
Ardern hat sehr viel für Neuseeland gemacht. Beim Terroranschlag im März 2019 auf zwei Moscheen in Christchurch mit 51 Toten hat sie sich auf unnachahmliche Art und Weise umsichtig und empathisch gezeigt. Sie hat nicht zugelassen, dass sowas wie Ausländerfeindlichkeit Nahrung erhält. Jacinda Arderns Verhalten hat weltweit für Bewunderung und tiefen Respekt gesorgt. Im gleichen Jahr im Dezember folgte in Neuseeland ein Vulkanausbruch bei dem 22 Menschen starben. Tja und dann folgte 2020 – wie wir alle erfahren durften – die Coronakrise.
Jacinda Ardern war nicht nur für Frauen ein großes Vorbild. Die Fotos von ihr als Baby-wickelnde Politikerin gingen um die Welt.
Damals hat das Amt für sie gepasst und ich nehme an, dass sie als gefeierte, moderne Politikerin ganz viel Energie in Form von Wertschätzung, Lob, Anerkennung und Respekt von ihrem Umfeld zurückbekam. Das lässt Menschen fliegen.
Das ist inzwischen anders und völlig normal in leitenden Funktionen – leider.
Jede neue Führungskraft weckt Erwartungen und Hoffnung in ihrem Umfeld. Erwartungen, die niemals erfüllt werden können.
Lob und Zuspruch wurden durch massive Kritik an Person und an der Funktion ersetzt. Das muss man aushalten können.
Muss man? Muss man nicht!
Jacinda Ardern will nach sechs Jahren im Amt wieder gut schlafen können.
In Deutschland wird viel diskutiert über die Frauenquote in Vorständen und in Aufsichtsräten. Die Lage ist immer noch nicht top, aber etwas besser. Was jedoch kaum registriert wird, wie viele Amtsperioden Frauen in Vorstandsfunktion bleiben.
Janina Kugel schaffte bei Siemens kaum eine Vorstandsperiode. Auch Tina Müller, ehemalige Opel Vorständin, wurde ruckzuck wieder entledigt. Dies sind nur zwei Beispiele von etlichen.
Eine große Stärke von Frauen ist ihre Flexibilität, wenn sie feststellen, dass es in der aktuellen Position um nicht weniger als um ihr Leben geht. Noch dazu in einem nicht wertschätzenden, intriganten Umfeld. Da haben viele Frauen wenig Angst vor Gesichtsverlust, denn diesen Preis sind sie auf Dauer nicht weiter bereit zu zahlen.
Zu Recht, wie ich finde.
Die Arbeitsbedingungen in Vorständen und in der Politik sind mittelalterlich scheußlich. Ohne Respekt und Anstand. Ohne den Blick darauf, dass wir es immer und immer wieder mit Menschen zu tun haben.
Was dich als Mensch kleiner und schwächer macht, das ändere.
Menschen, die dich schlecht behandeln, meide. Wenn das nicht geht, zeige ihnen deutlich Grenzen auf. Wenn du das nicht kannst, hole dir Unterstützung.
Faszinierend, wie sich deine Lebensqualität dramatisch verbessert, wenn du dich mit warmherzigen, wohlwollenden, intelligenten und liebenswerten Menschen umgibst. Gerne mit viel Humor.
Ich wünsche euch, dass ihr genau diese Menschen um euch habt.
Eine wunderbare Woche wünscht
Deine und Ihre
Monika Scheddin
