„Sie sind so schlagfertig! Das würde ich auch gerne sein.“ Gleich zwei Mal in dieser Woche bekam ich diese Rückmeldung nach meinen Vorträgen. Und schnell kassiere ich ungläubige Blicke, wenn ich erzähle, dass auf meinen Grundschulzeugnissen stand: „Ruhig“, später dann „Noch zu ruhig“ und „Monika hat einen ausreichenden Anfang gemacht.“ Damals wie heute wird introvertierteren Menschen leicht unterstellt, nichts auf der Pfanne zu haben. Schon gar keine Schlagfertigkeit. Doch das eine muss nichts mit dem anderen zu tun haben.
Wie lernt man Schlagfertigkeit?
Zunächst durch die bloße Entscheidung, schlagfertig werden zu wollen. Nie wieder sprachlos und verdattert eben nicht zu reagieren, wenn sich ein unverschämter Lümmel nicht nur an der Tankstelle dreist vordrängelt, sondern auch noch sagt: „Tja, ich war nun mal schneller.“
Schlagfertigkeit fällt den wenigsten in den Schoß
Die Entscheidung schlagfertig zu werden habe ich mit Mitte dreißig getroffen – und dann geübt. Denn Schlagfertigkeit fällt den wenigsten in den Schoß, sondern sie will wie eine Sprache, ein Musikinstrument oder eine neue Sportart geübt werden.
Jedes Mal, wenn mir erst Stunden später eine gute Antwort einfiel, habe ich sie in mein Hirni notiert. Kam mir so gar nichts in den Sinn, tauschte ich mich mit meinen Verbündeten aus. „Wie hättet ihr denn reagiert?“ Dieser Austausch war meist vergnüglich, denn viele Leute haben viele guten Ideen. Schon die Vorstellung, den einen oder anderen Satz vom Stapel gelassen zu haben, sorgte für Heiterkeit.
Eine freche Bemerkung in einer Podiumsdiskussion quittierte meine Freundin Anke mit der Frage: „Sagen Sie mal, haben Sie heute Ihre Tabletten nicht genommen?“ Ein guter Satz, den man zumindest denken kann.
Es gibt verschiedene Schlagfertigkeitsmöglichkeiten
Der Wortbedeutung nach bedeutet schlagfertig zu sein, mit gleicher Münze heimzahlen, zurückschlagen. Also, wenn mich jemand mit „typisch Frau“ annörgelt, dann wäre ich 1a-schlagfertig, wenn ich antworten würde „Gut beobachtet – trotz Ihres niedrigen IQ!“. Doch diese Antworten sind selten nach meinem Geschmack, denn sie schütten Öl ins Feuer. Ich halte Gegenangriffe meist für billig.
Hier ein paar aktuelle „Zumutungen“ und Antwortmöglichkeiten
Typisch Frau!
Wie darf ich das verstehen? (Rückfragen gehen immer und verschaffen Zeitgewinn)
Gut beobachtet! (Charme)
Sie machen sich Gedanken! (lässt das „Problem“ beim Frechdachs)
Was ist eigentlich Ihr Sternzeichen? (Verwirrung | Ich liebe das Gesicht des Gegenübers, wenn ich nach dem Sternzeichen frage. Auf jeden Fall ist zunächst Ruhe im Karton.)
Gratulation – gute Augen für Ihr Alter! (Augenhöhe mit Charme)
Sie Hausfrau!
Ich bin gerne Hausfrau. Immer, wenn ich einen Mann verlasse, behalte ich sein Haus! (Ich liebe diesen Spruch von Zsa Zsa Gabor. Mit einem strahlenden Lächeln vorgetragen – Zucker!)
Du hast aber ganz schön zugenommen!
Wundert mich auch, wie schnell das ging. (Humor und ein Schuss Naivität – wirkt!)
Meine inneren Werte brauchen viel Platz. (Selbstvertrauen und Humor – super!)
Können Sie am Preis noch etwas machen?
Klar. Ich kann die Nullen noch ausmalen. (Herrlich frech)
Noch heute notiere ich mir freudvoll coole Sätze, die auf Schlagfertigkeit einzahlen und merke einen gewissen Übungseffekt. 😊 Bin ich immer schlagfertig? Nö.
Du brauchst einen Notfallsatz
Manchmal schaffen es gerade die fiesesten Charaktere unseren wirklich wunden Punkt zu finden und dann ist es vorrübergehend aus mit der Schlagfertigkeit, denn innerliche Schnappatmung sorgt für Gehirnverschluss. Da hilft nur ein SOS-Notfallsatz wie z.B. „Wie darf ich das verstehen?“. Für die Zukunft schauen, was der „wunde Punkt“ denn braucht, damit er nicht so schnell getroffen wird.
Was waren Situation, die dich sprachlos haben stehen lassen?
Schickt mir doch Beispiele und wir suchen gemeinsam nach souveränen Entgegnungen.
Und gerne auch schöne schlagfertige Erwiderungen.
Ich freue mich jetzt schon.
Eine herrliche, sonnige Woche wünscht
Deine und Ihre
Monika Scheddin
