Von Donnerstag bis Samstag durfte ich meine tolle Coaching Truppe durchs Modul vier der jährlichen Coaching-Ausbildung begleiten. Eine wahre Freude! Wieder mal. In diesem Modul ging es um Konflikte und das Erstellen der persönlichen Vision Boards.

Konflikte finden wir im Privatleben und im Business. Sie lassen sich nicht vermeiden, wo immer Menschen zusammenkommen. Unterschiedliche Werte, Wünsche und Bedürfnisse führen zu Konflikten. Wohl denen, die gelernt haben, mit ihnen umzugehen. Doch selbst die sind nicht vor schlechten Gefühlen gefeit und tun gut daran, reflektiert für sich zu sorgen.

Passend zum Thema lese ich über die Musikerin Ronja Maltzahn. Sie freute sich mit ihrer Band auf einen Auftritt für Fridays for Future in Hannover. Doch zwei Tage vorher bekommt sie eine Absage – in Form einer Textnachricht: „Hallo Ronja, es tut uns sehr leid, dass diese Nachricht so spontan kommt und wir dir leider absagen.“

Der Grund für die Absage: Die Sängerin trägt Dreadlocks und das stünde ihr nicht zu, denn „… weiße Menschen sollten keine Dreadlocks tragen, da sie sich einen Teil einer anderen Kultur aneignen ohne die systematische Unterdrückung dahinter zu erleben.“ Und weiter heißt es in der Nachricht „… solltest du dich bis Freitag dazu entscheiden deine Dreadlocks abzuschneiden, würden wir dich natürlich auf der Demo begrüßen und spielen lassen. Es tut uns leid, dass wir es überhaupt zu der Situation haben kommen lassen und uns nicht ausführlich genug damit beschäftigt haben, welche Künstler*innen für unsere Demo angefragt werden. Viele Grüße FridayforFuture Hannover“

Mein lieber Scholli, soviel Zündstoff in einer einzigen Nachricht, das muss man erst einmal hinkriegen.

Ohne dass ich weiter auf die detaillierten Inhalte eingehen möchte, gibt es einiges, was man in Konfliktsituationen verstehen und Zukunft beachten kann.

  1. Es gibt Dinge, die kann man schreiben und es gibt Dinge, die sollte man persönlich übermitteln. In diesem Fall wäre ein Telefonat oder persönliches Gespräch definitiv besser gewesen.
  2. Empathie. Sich in die andere Person einfühlen: Wie würde ich mich fühlen, wenn ich mich (vermutlich kostenlos und ehrenamtlich) für eine Sache engagiere und dafür keinen Dank oder Wertschätzung kassiere, sondern Kritik ernte?
  3. Auch wenn es vermeintlich Gründe für eine derartige Absage gibt, wäre es gut richtig und wichtig gewesen, zunächst meine Wertschätzung zu zeigen und die Zeilen zu beginnen mit: „Liebe Ronja, wir bedanken uns herzlich für deine Zusage …“
  4. Haltung wird über Worte transportiert. „Solltest du dich bis Freitag dazu entscheiden deine Dreadlocks abzuschneiden, würden wir dich natürlich auf der Demo begrüßen und spielen lassen …“ – das wirkt herablassend.
  5. Es kommt nie gut, wenn eine einzelne Person eine unschöne Nachricht bekommt, bei der eine ganze Gruppe (vermeintlich) unterschrieben hat. Man hat sofort das Gefühl, alle verbinden sich gegen einen, was natürlich nie stimmt. Verantwortung übernehmen heißt auch, mit der Unterschrift für seine Haltung einzustehen – selbst, wenn es drei Unterschriften sind. Alles andere empfinde ich als feige.

Mich beeindruckt die Reaktion der 28 Jahre alten Ronja Maltzahn. Nach dem ersten Schock nimmt sie das Gesprächsangebot von Fridays for Future an, um die Hintergründe besser zu verstehen.

Ich schätze sehr, was Menschen fürs Klima tun und fühle mich als ein (kleiner, lernender) Teil davon.

Noch mehr würde ich es schätzen, wenn Menschen lernen, sich menschlich zu verhalten. Wir werden das Klima nicht retten, wenn wir keine Unterstützer aufbauen. Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, egal ob im Krankenhaus, im Altenheim oder fürs Klima, bekommen kein Geld. Das erwarten sie auch nicht.

Aber unsere Wertschätzung sollten sie bekommen.
Und jetzt höre ich mir erst einmal die Musik von Ronja Maltzahn an.

Ganz schöne Ostern wünsche ich dir und melde mir hier an dieser Stelle wieder am Montag, den 2. Mai.

Von Herzen Deine und Ihre
Monika Scheddin