Nach 16 Jahren im Amt wird sich Angela Merkel demnächst verabschieden.

Vorab: nein, ich habe nicht CSU gewählt. Und eigentlich möchte ich mich in meinem Blog auch gar nicht politisch äußern, aber ich möchte mich menschlich äußern.

Ich weiß noch gut, wie Merkels Empfang als Kanzlerin war. Ähnlich wie Laschet aktuell wollte Gerhard Schröder partout nicht wahrhaben, dass er die Wahl verloren hatte. Merkel als Kanzlerin? „Jetzt müssen Sie die Kirche doch mal im Dorf lassen!“ war Schröders Reaktion.Doch er sollte sich täuschen.

Für irgendwen bist du immer „zu“ irgendwas

Angela Merkel wurde Kanzlerin und für sie begann eine harte Zeit auf der Suche nach Akzeptanz. Was auch immer sie tat – es war falsch. Zu unentschlossen, zu wenig kämpferisch, zu wenig Führungsstärke, falsche Klamotten, falsche Frisur und wenn sie sich schnell entschied, wurde es als Fehler bewertet.

Einige Kabarettisten hatten sich auf Merkel dermaßen eingeschossen, dass es überhaupt nicht mehr lustig war.
Die Fotos in der Presse zeigten fast ausschließlich eine unattraktive, böse wirkende Frau mit hängendem Mundwinkel.
(Allein das würde mich persönlich davon abhalten, in die Politik zu gehen, weiß ich doch um meinen kritisch wirkenden Gesichtsausdruck, wenn ich konzentriert bin.)

Putin erfuhr von Merkels Scheu vor Hunden und führte sie genauso vor wie Seehofer, der sie auf dem Parteitag der CSU 2015 wie ein Schulmädchen abkanzelte.

Ich frage mich seitdem:

  • Was hätten die Aktionen von Seehofer, Putin & Co. mit mir gemacht?
  • Geht Politik eigentlich auch würdevoll?
  • Was muss passieren, damit Politiker, die sich anständig verhalten, Respekt kassieren?
  • Was kann man tun, damit aus Stärke keine Härte wird?

Zuhören heißt doch noch lange nicht zustimmen.

Auch wenn man politisch vielleicht nicht immer auf ihrer Seite war, darf man anerkennen, was Merkel zu leisten bereit war. Sie konnte einstecken, verzeihen und vergessen. Und sie hat Humor.

Angela Merkel wurde für die meisten erst dann akzeptabel, als sie das Etikett „Mutti“ bekam. Diese Führungsrolle scheint für die meisten männlichen Politiker die einzige denkbare zu sein.

Es gibt keine Fotos von Angela Merkel mit einer fetten Luxusuhr, auf dem Rücken eines Pferdes, auf einer Yacht, vor Privatjets, mit Zigarre…

Sie kauft selbst ein, kocht selbst, kümmert sich um ihre Wäsche und macht kein großes Ding darum.

Als sie auf einer Pressekonferenz von einem Journalisten auf ihren Kleidungsstil angesprochen wurde, verbunden mit der Frage, ob sie nichts anderes anzuziehen habe, anwortete Merkel: «Ich bin Beamtin, kein Model.»
Vielleicht ist Timing doch ihr Ding.
Sie ist nicht gegangen worden, sondern geht freiwillig. Anders als ihre Vorgänger.
Vielleicht ist Timing doch ihr Ding.
Die Fotos in der Presse sind nun mehrheitlich freundlich und sympathisch.
Und ich vermute mal stark, dass Angela Merkel keinen Beratungsvertrag mit russischen Erdgaskonzernen abschließen wird.

Positionen sind ersetzbar. Personen nicht.

Ich wünsche euch wie immer eine schöne Woche!

Ihre und deine
Monika Scheddin