Liebe Kund*innen und Freunde,
am Freitag, den 13. März fand mein letztes Training statt.
Freitag, 13. März war dann auch der Tag, an dem ich annähernd verstanden habe, wie ernst die Lage ist und dass etwas im Gange ist, das wir alle noch nie erlebt haben.
Etwas, das wir hinnehmen müssen. Mit dem wir umgehen müssen.

Das macht(e) mir Angst.
Ein Gefühl von Ohnmacht machte sich in mir breit.
Bis mindestens Juni keine Aufträge, kein Umsatz, kein Einkommen.

Ab jetzt verlasse ich mein Homeoffice nur für meine tägliche Laufrunde und für dringende Besorgungen.

Der 13. März ist gerade mal 10 Tage her und fühlt sich an wie 10 Wochen.
Ich telefoniere mit meiner 86jährigen Mutter. Auch sie ist wachsam, aber nicht panisch.
Als 11jähriges Kind ist sie im Januar 1945 vor der Front aus Ostpreußen geflüchtet.
Sie kennt Bedrohung, Hunger und Verlust der Heimat.
Aber „Angst hatte ich nicht“, erklärt sie mir.

Sie ist mein großes Vorbild, wie man mit nichts neu anfängt. Ohne zu jammern. Einfach durch Anfangen.
Da werde ich mich doch nicht durch die erste wirkliche Krise meines Lebens ins Bockshorn jagen lassen.

Ich weiß: Der Weg durch die Angst geht nur übers Tun. Sich ihr stellen.

Ich überlege, welche Fragen würde ich als Coach meinen Kunden stellen?

Ich frage mich:

  • Was, wenn alle Stricke reißen?
  • Wer bist du, wenn du nicht arbeitest, nicht unterwegs bist?
  • Was waren deine zwei letzten Krisen und wie bist du aus ihnen herausgekommen?
  • Was ist das Gute am Schlechten?
  • Wie lässt sich die Krise nutzen?
  • Was ist das Mindeste, das du tun kannst?

Wenn alle Stricke reißen, ziehe ich zurück ins 1.000-Seelendorf Nierswalde in NRW. 😊  Es gibt Schlimmeres.

Wer bin ich, wenn ich nicht arbeite?
Vielen Menschen, die jetzt ohne gewohnte Arbeit und ohne gewohntes Umfeld ganz auf sich gestellt sind, begegnet unter Umständen eine ganz neue Person. Ein Mensch, den es lohnt, kennenzulernen.
Eigentlich arbeite ich immer: ich schreibe, denke, sammle, recherchiere, male, fotografiere, nehme wahr, tausche mich aus … Na gut dazu kommt noch schlafen, essen, genießen, bewegen, Kontakt zu Freunden, feiern ….

Meine letzten 2 Krisen?
Waren im Nachhinein läppisch. Mir fällt die Sparkasse ein, die unsere Firma vor 15 Jahren, im einzigen Moment, wo wir sie je gebraucht hätten, zuverlässig hängen gelassen hat.  Herausgekommen bin ich durch die Unterstützung meines Bruders und meiner Freunde – mit dem Versprechen an mich, dass ich nie wieder von einer Bank abhängig sein möchte.
Dieses Versprechen habe ich gehalten.
Die zweite Krise – noch uninteressanter.

Das Gute am Schlechten
fällt mir sofort ein: ich wollte schon lange mehr Zeit zum Schreiben haben. Et voilà – die Zeit ist jetzt.

Und der von mir gegründete Businessclub ist Hammer. Sofort fließen Ideen und Angebote. Wir verlegen unsere Meetings vorerst ins Netz.
Was die privaten Termine (Passionsfestspiele in Oberammergau, European Songconteste etc.) angeht:
Was nicht stattfindet, kann man auch nicht verpassen.
Wo keine Alternativen sind, braucht es auch keine Entscheidungen.

Wie lässt sich die Krise nutzen?
Ich hoffe inständig, dass ein Stückchen Krise sich langfristig ins Gedächtnis aller Unternehmer, Freiberufler, Manager und Politiker einnistet. Höher, weiter, schneller – ist ein Auslaufmodell. Menschlicher muss die Parole lauten.
Es gibt sehr viel weniger Müssen, als wir jemals dachten.
Das bezieht sich auf Flüge genauso wie auf private Urlaubsreisen. Es gilt für Kleidung und für Luxus-Schnickschnack.
Die Menschen wollen gehört, gesehen und mitgenommen werden. Alle wollen etwas bewirken. Sinnvolles tun.
Wir können lokale Geschäfte unterstützen. Meine letzten 2 Bücher habe ich z.B. bei „Buch in der Au“ (München) bestellt.
Wir können Künstler und kleine Bühnen unterstützen, indem wir Eintrittsgelder nicht zurückverlangen.
Ein Gefühl von Dankbarkeit dauerhaft bewahren für all die guten Geister um uns herum: Paketboten, Verkäufer*innen, Ärzt*innen, Nachbarn, Pfleger, Polizisten, Busfahrer …

Was ist das Mindeste, was ich tun kann?
Sparen. Keine überflüssigen Ausgaben tätigen. Also keine Kleidung, kein Urlaub, kein Schnickschnack. Bis auf weiteres.
Ich kann meinen Körper und Geist fit halten. Ausschlafen, meine morgendliche Laufrunde, mich gut ernähren.
Ich gebe mir eine feste Struktur, einen guten Arbeitsrhythmus, feste Tagesaufgaben, damit die Energie nicht sinnlos verloren geht.

Nicht alle Gedanken habe ich zu Ende gedacht.
Gestern Abend hatte ich zum ersten Mal einen Anflug von „Lagerkoller“.
Aber mein vorrübergehendes Fazit bleibt ein Gefühl von Frieden.

Mir fallen zum Schluss noch zwei Dinge ein.
Meine tiefe Überzeugung und Erfahrung: Auch das geht vorbei.
Und „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“ Oscar Wilde

Bitte teile doch Deine Gedanken und Erfahrungen mit mir.
Inspiration ist gerade jetzt ein kostbares Gut.

Pass auf Dich auf, bleibe gesund!

Ihre und Deine
Monika Scheddin

 

Foto: Mica Wintermayr