Vorletzte Woche – ein voller Tag steht an. Ein wenig schiele ich auf einen Gefallens-Termin, der so gar nicht in meinen übervollen Terminkalender passen will. Einer Freundin zuliebe habe ich mich mit einem jungen Kollegen zum „Erfahrungs-Austausch“ beim Kaffee eingelassen. Da erreicht mich folgende Mail:

Liebe Monika, ich muss leider kurzfristig absagen, da mich heute arge Kopfschmerzen plagen und ich mich heute etwas ausruhen möchte, weil ich morgen noch einige wichtige Termine habe und wieder fit sein muß. Sorry für die kurzfristige Absage …

Wenn ich ganz offen bin, ärgert mich diese Mail.
Sie gibt mir das Gefühl, dass ich diesen Termin wichtiger genommen habe, als der junge Kollege.

Mein Terminkalender ist übervoll in dieser Woche und es ist klar, dass ich eine Samstagsschicht einlegen muss. Trotzdem haben mich meine Werte davon abgehalten, abzusagen. Denn: versprochen ist versprochen.

Aber – das ist das Gute – ich kann den Anlass gleich aus professioneller Sicht beleuchten und habe Stoff für einen neuen Beitrag zum Thema Wirksprache und Empathie.

Wie wirkt die Mail auf mich?
Das Wort „Absage“ ist von Haus aus kein Wort, das wir gerne lesen wollen.
Schon gar nicht zwei Mal.
„Einige wichtige Termine morgen“ – hier kann man verstehen: unser Termin ist mir eben nicht so wichtig.
„Sorry“ klingt blutleer und eben nicht gewinnend.

Was ich mir gewünscht hätte?

Liebe Monika,
es tut mir schrecklich leid, es geht mir nicht so gut.
Wäre es möglich, dass wir unseren Termin verschieben? …

Selbstverständlich ist die Frage am Schluss eher eine rhetorische Frage, dennoch wirkt sie sympathisch und verbindend.
Sie stellt mich nicht vor Tatsachen.
„Wichtige Termine morgen“ – ersatzlos streichen. Diese Worte sind überflüssig, denn sie tun nichts für die Sache, im Gegenteil.

Und das nächste Mal frage ich die Freundin vorher, wie wichtig ihr mein Entgegenkommen wirklich wäre.
Denn auch meine Zeit hat das Recht auf Wertschätzung.
Vielleicht war ich ein wenig übereifrig.

Einen guten Sinn für Prioritäten wünscht

Deine und Ihre
Monika Scheddin