Ein wichtiger Vortrag steht an und plötzlich steht der Wunsch im Raum: eine neue Klamotte muss her! Etwas, das ziert und kleidet. Schmückt und zum Strahlen bringt. Kleidung muss mehr können als nur wärmen.
Bei wichtigen Events neigt man dazu, auf Nummer sicher zu gehen. Dann wird es etwas, das schützen soll und Pölsterchen verschwinden lässt. Leider aber auch alles, was nach Vitalität riecht.
Das konnte ich noch vor kurzem bei einer Referentin im schwarzen Hosenanzug mit belanglosem Tuch beobachten. Alles verdeckt, aber mehr auch nicht. Und ich fühlte mich selbst ertappt, denn das kenne ich auch.

Auf Kommando findet man selten Lieblingsstücke

Wie es so ist, wenn man etwas dringend braucht: auf Kommando lässt sich Klamotte partout nicht blicken. Da passt die Farbe, die richtige Größe ist aber nicht auf Lager. Dann passt das Teil, betont aber Köperstellen an dir, die du nicht betonen willst. Und wenn die lustlose Verkäuferin anfängt mit Strickjacken um die Ecke zu kommen, die immer passen, dann ist es Zeit, den Laden fluchtartig zu verlassen.

Es ist ja nicht so, dass ich nichts anzuziehen hätte. Ich hätte halt gerne etwas Neues gehabt. Eine Freundin begleitet mich und ist weiter motiviert, obwohl die Zeit knapp wird, denn wir sind anschließend noch zum Essen verabredet. Der letzte Versuch beim Münchner Traditionskaufhaus. Parallel scannen wir die Objekte. Da entdecke ich einen gewagten lila Hosenanzug und schöpfe Hoffnung. Denn das Schöne am Älterwerden ist, dass ich inzwischen meist weiß, was mir steht und was nicht. Was mir vermutlich passen wird und was nicht.

Ehrliches Feedback ist eher selten.

Und dann kommt Frau Tremmel ins Spiel. Sie findet schnell die richtige Größe und sucht passende Tops. Sie ist freundlich, aber nicht aufdringlich. Weiß, was sie tut und tut es mit Freude. Mir klingt der Satz der großartigen Designerin Elena Berton im Kopf nach: Die deutschen Frauen kaufen viel zu oft Einzelteile, die dann schlecht zu kombinieren sind. Italienerinnen kaufen sich komplette Outfits, die sie kreuz und quer kombinieren können und sind damit immer gut angezogen. Ich ziehe den lila Hosenanzug an und bin gleich begeistert. Frau Tremmel auch. Freundin Bettina dito. Das passende Top ist gefunden. Sogar eines in Schwarz und eins in Weiß. Ein anderer Verkäufer kommt vorbei: „Wow!“ sagt er. „Das steht Ihnen Bombe!“ Ich freue mich, zweifele dann aber schnell. Denke: Vermutlich sagt er das jeder. Ist ja Verkäufer. Eine andere Kundin steuert auf eine Umkleidekabine zu und dreht sich noch mal zu mir um. „Die Farbe steht Ihnen richtig gut!“ sagt sie. Ich freue mich, dann denke ich: „Die Farbe hat sie gesagt. Was ist mit dem Schnitt?“ „Ich weiß nicht, ob ich mich das traue“ sage ich zur Freundin. „Wie? Trauen?“ kommt von ihr. Dazu ein ungläubiger strenger Blick. O.k., ich habe verstanden. Die Kundin kommt mit ihrem Outfit heraus. „Die Hose geht gar nicht!“ ruft Frau Tremmel erschrocken. „Da finden wir etwas Besseres!“ Und genau dieser Satz war das letzte Argument FÜR meinen leuchtend lila Hosenanzug. Eine Verkäuferin, die meint, was sie sagt. Danke, Frau Tremmel!

Mein Vortrag für die Augsburger Zeitung letzte Woche in der Stadthalle Gersthofen ist prima gelaufen. Und selbst aus der letzten Reihe war ich dank Farbe gut zu sehen. Eine gute Entscheidung.

Einen schönen Start in die Woche wünscht Deine und Ihre
Monika Scheddin