Von Pfarrer Rainer Maria Schießler hatte ich schon länger gehört. Ein unkonventioneller katholischer Pfarrer in München, der es angeblich schafft, die Kirche an einem ganz gewöhnlichen Sonntag zu füllen und dass Menschen in Scharen wieder in die Kirche eintreten.
Kaum vorstellbar!
Am 2. Adventssonntag machte ich mich auf den Weg und schaue mir die Sache vor Ort an.
10.30 Uhr ist eine christliche Zeit meiner Meinung nach.
Tatsächlich zu Beginn des Gottesdienstes ist die St. Maximilianskirche in München proppenvoll. Es müssen sogar noch Stühle dazugestellt werden. Trotzdem gibt es viele Zuspätkommer, die stehen müssen, so voll ist es. Junge, mittelalte und alte Menschen.
Pfarrer Schießler moderiert eine Blaskappelle an, die zufällig in München aufspielt und sich angeboten hat.
Er spricht die Worte der Menschen, frei und verständlich. Spricht von seiner Mutter, die ihm damals schon gesagt habe „Herr, ich bin unwürdig“ wäre nicht korrekt. Sie sei sehr wohl würdig.
Rainer Maria Schießler weiß es zu schätzen, dass so viele Menschen in seiner „saukalten Kirche“ 1,5 Stunden aushalten. Und zwar gerne. Er verbindet Tradition und Moderne. Gibt den Menschen Wärme und das Gefühl von Verständnis. Inspiriert. Spricht vom Sinn der Beichte und dass man nicht erst morden muss, um von der Beichte zu profitieren, denn es handelt sich um ein Gespräch, wo das Gegenüber wirklich zuhöre.
Er bekommt viele Male Applaus, genau wie die Blaskapelle. Dafür ist man sich hier nicht zu fein.
Ob die Menschen wirklich seinetwegen in Scharen wieder in die Kirche eintreten, kann ich natürlich nicht überprüfen. Aber vorstellbar wäre es. Denn es wird gelacht und miteinander kommuniziert. Nach der Messe gibt es eine richtig gute Suppe. Jeder zahlt, was er kann. Glühwein und Kinderpunsch gegen Festpreis. Und: Freibier. Die Menschen bleiben und reden miteinander. Manche bleiben einfach sitzen und denken nach.
Mitten unter und bei den Menschen ist Pfarrer Schießler. Ein nahbarer Kirchenmann.
Das finde ich modern und überfällig.
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„Ich habe mich angesprochen gefühlt!“ war das Fazit meiner Dortmunder Freundin Monika, die gerade zu Besuch war. Und das mit dem Bier würde ihrem Mann auch gefallen.
Ich hoffe sehr, dass man diesen Mann noch lange Gutes tun lässt.
Einen schönen Start in die letzte Woche vor Weihnachten wünscht
Ihre und Eure Monika Scheddin
P.S. Warum wundert es mich nicht, dass sein Buch „Himmel-Herrgott-Sakrament: Auftreten statt austreten“ Nummer 1 in praktischer Theologie ist?
