Wenn es auf Bewerbungen Absagen hagelt, sind Fleiß und Disziplin allein selten die richtige Strategie.
Typischer Fall im Coachingalltag: Ein Manager bewährte sich stets im Unternehmen, musste sich noch nie bewerben. Alle fünf Jobs haben sich irgendwie logisch ergeben. Und plötzlich werden Stellen gekürzt, ganze Abteilungen outgesourct. Auch unser Manager wird gekündigt. Noch denkt er sich nichts dabei, kassiert die Abfindung, macht erst mal Urlaub und beginnt dann zu suchen. Und bewirbt sich fleißig – mit erstklassigen Unterlagen, profigecheckt, versteht sich. Und bekommt eine Absage nach der anderen. Er verdoppelt seinen Einsatz und kriegt doppelt so viele Absagen. Was passiert da?
Unser Manager hat sich – wie so viele in gleicher Situation – auf Stellen beworben, weil er einen Job braucht und nicht, weil dieser Job genau das wäre, was er wirklich, wirklich will.
Und das lesen geschulte Personaler zwischen den Zeilen heraus. Und sie wollen ihre freien Positionen genau den kompetenten Menschen geben, die auch ihr Unternehmen meinen.
Was also tun? Manchmal muss man erst einen Schritt zurückgehen, bevor man zwei vorwärts macht.
Weiterbringende Fragen könnten hier sein:
- Welche grundsätzlichen Möglichkeiten (von völlig verwegen bis sehr realistisch) haben Sie? z.B. zur Konkurrenz wechseln, ins Ausland gehen, Branche wechseln, sich selbständig machen, reich heiraten …
- Was wollen Sie auf gar keinen Fall (mehr)?
- Was stattdessen?
- Welche anderen Bewerbungsstrategien könnten Sie entwickeln?
- Wer oder was könnte Ihnen bei der Beantwortung der Fragen oder beim Erreichen des Ziels behilflich sein?
- Wenn gar nichts mehr geht, hilft hier oft folgende Anweisung: „Sie haben drei Wochen* lang absolutes Bewerbungsverbot. Die einzigen Bewerbungen, die „erlaubt“ sind, sind nicht ernst gemeinte Just-for-fun-Bewerbungen.”
In acht von zehn Fällen finden meine Kunden genau in dieser Phase eine neue Arbeitsstelle.
* die individuelle “Dosis” wird je nach “Härtegrad” bestimmt. Es können auch schon mal zwei Monate werden. Selbstverständlich weiß jeder meiner Kunden, dass ich ihm in Wirklichkeit überhaupt nichts verbieten kann und will.
Herzliche Grüße
Monika Scheddin
